Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Musik und Dichtung im Beginn eines neuen Gemütslebens. 287 
des 18. Jahrhunderts einen wesentlichen Teil des holländischen 
Handels nach dem Hamburger Hafen zu ziehen. 
Sehr natürlich aber, daß die weiten Handelsbeziehungen, 
die jetzt vor allem auch auf den ganzen germanisch-skandinavischen 
Norden ausstrahlten, nochmals auch geistige Einflüsse voraus— 
setzten oder zur Folge hatten. Dies um so mehr, als zwischen 
dem deutschen Norden und wenigstens Kopenhagen schon vom 
Mittelalter her und dann wieder besonders seit dem 17. Jahr— 
hundert ein sehr reger Verkehr bestand: die Studenten der 
Universitäten Kiel, Rostock und Kopenhagen wechselten ständig hin 
und her: Kopenhagen aber war damals der Mittelpunkt min— 
destens zweier nordischer Stämme, der Dänen und Norweger, 
und sein Einfluß erstreckte sich auch Uber Schweden. Dabei war 
es Kopenhagen, dem durch Hamburg vor allem deutsche Kultur 
vermittelt wurde: bis zu nicht geringer Verdeutschung der 
dänischen Sprache vornehmlich im Wortschatz. Die Folge dieser 
kräftigen Einwirkung ist dann die außerordentliche Lebendigkeit des 
dänischen Geistes im 18. Jahrhundert gewesen; die Begründung 
einer nationalen Bühne, die einen Holberg hervorbrachte, geht 
auf sie zurück, wie nicht minder jener nationale Eifer für die 
bildende Kunst, der die spätere Entfaltung so bahnbrechender 
Genies auf diesem Felde wie Carstens' und Thorwaldsens in 
Kopenhagen begreiflich macht. Und von Kopenhagen her hat 
dann auch Deutschland bald eine kräftige Rückwirkung gespürt: 
in Dänemark hat Johann Elias Schlegel gelernt, in Dänemark 
haben Klopstock und Gerstenberg Anregungen gefunden. 
2. In Hamburg selbst aber erstand unter dieser gesamten 
Konstellation schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
ein künstlerisches und geistiges Leben von beachtenswerter Höhe. 
Während man aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
noch wenig Nachrichten über Hamburger Kunst und noch weniger 
über Hamburger Kunstdenkmäler besitzt, kam es in der zweiten 
Hälfte zu einer immer höher steigenden Blüte. Den Schmuck 
mancher palastartiger Häuser und der großen Säle des Rat—
	        
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