288 Zwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
hauses begannen große mythologische Gemälde zu bilden, da—
neben wurden religiöse Stoffe behandelt, und Bildnismalerei
und Porträtstich wuchsen ins Breite. Vor allem aber ent—
wickelte sich eine Genremalerei, wie sie auf deutschem Boden
um diese Zeit wohl einzig dastand. Wurde schon die Bildnis—
malerei vielfach zum Gesellschaftsbilde erweitert, so schilderte eine
volle sittenbildliche Kunst den Bauern wie das bürgerliche Leben
in der Stadt und draußen vor den Toren; auch die Seemalerei
wurde populär und folgte Anregungen, die reisende Künstler vom
Eismeer und von den Küsten Portugals heimbrachten; und
schließlich entstand — ein Zeichen reifster Entwicklung — auch
das Stilleben jeder Art, und Tierstück wie Blumen- und
Fruchtstück fanden Spezialisten.
Nun war diese Kunst gewiß, und namentlich in den ersten
Zeiten, stark von Holland abhängig: neue Stadtteile erhielten
holländisches Gepräge, ein Holländer baute drei Kirchtürme, die
heimatlichen Maler zogen zum Studium nach Amsterdam und
Haarlem. Allein allmählich wurde das neue Leben doch immer
mehr spezifisch deutsch, wie denn seine Erzeugnisse schließlich bis
in die Wohnräume der mittleren Bürger und sogar des Bauern⸗
standes vordrangen, und Meister wie Jacobs (etwa 1630 -64)
und Scheits (vor 1640 bis etwa 1700) müssen als rein deutsch
angesprochen werden, wie sie in Hamburg geboren waren.
Im Verlaufe des 18. Jahrhunderts begann dann diese
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auch die Bildnismalerei noch lange bedeutend blieb; und nur
in der Architektur, die vorher mehr vor kleinere Bauten gestellt
worden war, fand noch bis in die Mitte dieser Zeit hinein ein
Aufschwung statt; erst 176060-62 wurde die große Michaelskirche
erbaut, ein Werk des spät entwickelten Architekten Sonnin, das
ganz auf Hamburger Traditionen fußt, eine der schönsten und
am klarsten gegliederten Predigtkirchen des deutschen Pro—
testantismus.
Auf dem Gebiete der darstellenden Künste aber war es für
eine Handelsstadt wie Hamburg bezeichnend, daß sich die Bürger⸗
schaft sehr früh dem besonderen Kultus der Musik zuwandte.