Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

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Zwanzigstes Buch. Drittes Kapitel. 
Oper zu begründen. Dieser Versuch aber wurde bezeichnender⸗ 
weise von keinem Fürstenhofe unternommen, und auch nicht von den 
Bevölkerungen der größeren Binnenstädte, die sich vorübergehender 
Opernaufführungen rühmen konnten, sondern von Hamburg. 
Neben Hamburg wäre nach dem Dreißigjährigen Kriege 
aus dem Grunde, daß sie von Kriegsnöten verschont geblieben 
war, wie nach Reichtum und Ansehen des Adels und des in 
ihr residierenden Hofes in Binnendeutschland an erster Stelle 
wohl nur noch eine Stadt in Betracht gekommen: Wien. 
Allein in Wien stand der Hof unter spanischem Zeremoniell 
und italienischem Geschmack, war der Adel zum großen Teile 
fremdländisch und huldigte das Bürgertum, von den ent— 
scheidenden Vorgängen innerhalb der Stadtmauern fern⸗ 
gehalten, einer tödlichen Vorliebe für das Niedrig-Lustige und 
Rohe: Hahnenkämpfe und Hanswurstiaden erschöpften sein 
Interesse; um 1710 stand noch die Hanswursthütte auf dem 
Neuen Markt; noch in den Anfängen des Karlstheaters (an der 
Praterstraße) trat der Hanswurst auf; und 1755 wurde ein 
Tierhatzzirkus erbaut, der bis 1792, wo er abbrannte, in Ge— 
brauch stand. 
In den Niederlanden aber ist allerdings schon in der ersten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts und damit noch vor dem Ham⸗ 
burger Versuche zu Amsterdam eine Oper erstanden. Hier be—⸗ 
gründete Jan Hermansz Krul (geboren 1602) die, Amsterdamsche 
Musijck-Kamer“ und verfaßte 1634 für sie das Pastoral⸗ 
musikspiel „Juliana en Claudiaen“ teils in Alexandrinern, 
teils in sangbaren Strophen. Doch der Erfolg war gering; 
sehr bald kehrte sich reformierter Zelotismus wie gegen das 
Theater überhaupt, so gegen die Oper; und der Ruhm, die 
erste deutsche Oper von Dauer begründet zu haben, fiel schließ— 
lich dennoch Hamburg zu. 
In Hamburg herrschte schon um die Mitte des 17. Jahr⸗ 
hunderts ein reges musikalisches Leben; bedeutende Organisien 
spielten in den Kirchen; ein Collegium musicum sorgte 
für Aufführungen im Reventer des Domes; das Patriziat 
achtete und förderte Musik und Musiker. So begreift sich der
	        
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