306 Zwanzigstes Buch. Drittes Kapitel.
stich und in der Wandmalerei reiche Beschäftigung fanden;
vor allem aber kam es zur Pflege der Musik und der Dichtung.
Von ihnen war die Musik in Sachsen schon seit Luther,
ja bereits früher eifrig betrieben worden; man kann sie einen
integrierenden Bestandteil der obersächsischen Geselligkeit aller
Jahrhunderte nennen. In unserem Zeitraume fand sie zunächst
Pflege in einem besonderen Opernhause, das 1698 für die
deutsche Oper erbaut worden war, während seit 1744 wenigstens
in der Meßzeit auch italienische Oper gespielt wurde. Dazu
kam vornehmlich für die weltliche Musik ein Stadtpfeiferkorps
schon aus mittelalterlicher Zeit, das 1737 um einige Kunstgeiger
vermehrt wurde; und von Johann Sebastian Bach wissen wir
aus einer Eingabe an den Rat vom Jahre 1730, daß er für die
Kirchenmusiken in St. Thomas der Regel nach auf 18 Musiker
zu rechnen wünschte, nämlich vier für die erste und zweite
Violine, vier für die erste und zweite Viola, zwei für Violon—
cello, einen für Violon, zwei für Hautbois, einen für Basson,
drei für Trompeten und einen für Pauke. In gewissem Sinne
aber noch wichtiger als die öffentliche war die private Pflege
der Musik. Da bestanden vor allem, in Spuren schon im
17. Jahrhundert nachweisbar, die Collegia musica der Stu—
denten, anfangs reine Hauskonzerte „dann bald Veranstal⸗
tungen gegen Eintrittsgeld. Das erste bedeutendere dieser Col-
legia musica war das des Studenten der Rechte Tele—
mann, des späteren Komponisten, vom Jahre 1702. Es trat
in engere Beziehungen zur Neukirche. Daneben bildete sich
dann ein ständiges zweites Kollegium, das in der Pauliner—
kirche musizierte; und beide blühten vornehmlich in den dreißiger
und vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts. 1746 aber
wurden sie überholt durch ein drittes Kollegium „unter der
Direktion der Herren Kaufleute“; es bestand aus 16 Musikanten
und erhielt bald den Namen des Großen Konzerts. Mit ihm
übernahmen die Bürger selbständig die edelste Art der Musik⸗
pflege, und aus ihm ist das Leipziger Gewandhaus hervor—
gegangen, dessen erster Musiksaal von 1780 auf 1781 erbaut wurde.
Neben der Musik und damit auch den wichtigsten dichterischen