Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Musik und Dichtung im Beginn eines neuen Gemütslebens. 317 
ist das Schicksal der habsburgischen Monarchie gewesen, diesem 
Winke gefolgt zu sein. Nicht minder aber sondert sich im Westen 
das weite Deltaland des Rheines, das Gebiet der Niederlande, aus, 
wie im Süden die Gegenden, welche die große Jurahochebene 
befassen und umschließen, das Land der Schweiz. Und am 
Ende weist nur Mitteldeutschland kein großes und beherrschen— 
des geographisches Gebilde auf, das nach außen drängte. 
Gewiß aber sind diese geographischen Momente unter dem 
Sondertrieb, der den Nationalcharakter zweifelsohne kennzeichnet, 
auch noch in besonders hohem Maße wirksam geworden. Und 
nichts ist hierfür vielleicht beweisender, als daß sich in den 
absterbenden Gebietsteilen alsbald auch besondere Verfassungs— 
formen entwickelt haben, im Osten mehr monarchisch-despotische, 
wie denn hier schon zu taciteischen Zeiten die civitates, quae 
regnantur, zu suchen waren, im Westen republikanische. 
Die politische Geschichte der Eidgenossenschaft vom 16. zum 
18. Jahrhundert ist hier nicht zu erzählen. Genug, daß in dem 
sogenannten eidgenössischen Stillesitzen schon sehr früh ein System 
der Neutralität vornehmlich gegenüber Frankreich und Deutsch— 
land vorbereitet wurde, daß ein Versuch Kaiser Maximilians J., 
die Schweiz noch einmal in den allgemeinen politischen Bereich 
des Reiches einzubeziehen, mißlang, daß die „Reichsverwandten“ 
des 16. Jahrhunderts mit dem Westfälischen Frieden auch aus 
dieser politisch schwer zu definierenden Verwandtschaft aus— 
schieden, und daß die politische Sondergeschichte der Eidgenossen— 
schaft im 17. und 18. Jahrhundert wenig Momente darbietet, 
die als von gemeindeutschem Standpunkte wichtig bezeichnet 
werden können. Insbesondere trat wie mit dem inneren Deutsch⸗ 
land so auch mit den Niederlanden irgendwelcher engere poli— 
tische Zusammenhang in dieser Zeit nicht ein. Gewiß waren, 
soweit das Verhältnis zu den Niederlanden in Betracht kommt, die 
Versuche Karls des Kühnen, den deutschen Nordwesten zu unter⸗ 
jochen, einstens an der Tapferkeit vornehmlich der Schweizer ge— 
scheitert: aber das war auch das letzte größere Moment gemeinsamer 
äußerer Schicksale. Im übrigen reduzierte sich das gegenseitige Ver— 
hältnis speziell zwischen der Eidgenossenschaft und den Niederlanden
	        
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