Viertes Kapitel.
Weitere musikalische und literarische Ubergänge;
Ausgang der Phantasietätigkeit des
individualistischen Zeitalters.
Mit dem Streite zwischen den Schweizern und Gottsched
war der Kampf zwischen der völlig abgeklärten dichterischen
Lehre des individualistischen Zeitalters und der noch unsicher
und undeutlich gärenden poetischen Auffassung des subjek—
tivistischen Zeitalters wenn nicht eröffnet, so doch als gewißlich
kommend angedeutet. Er hat sich dann noch jahrzehntelang
hingezogen, und erst das tiefere Erringen eines wirklich pfycho—
logischen und philosophischen Verständnisses des Seelenlebens
des neuen Zeitalters hat ihn endgültig entschieden.
Inzwischen aber war die Zeit des Überganges in viel frucht-
barerer Weise auf einem anderen Gebiete eingeleitet worden, auf
dem Gebiete der Musik. Denn nicht in Theorien schritt man hier
vorwärts: die Musik hatte während des ganzen Verlaufes des
individualistischen Zeitalters die Ausnahmestellung eingenommen,
daß fie sich nicht rationalisieren ließ. Vielmehr schöpferisch,
produktiv tat man auf diesem Gebiete den großen Schritt hin
auf das neue Zeitalter: und auf der Grenze zwischen alt und
neu, zumeist an den alten Formen festhaltend, überall aber sie
mit Ahnungen des Zukünftigen erfüllend, stehen zwei große
Meister, deren Werke uns im tiefsten Grunde noch immer