Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Weitere musikalische und literarische Übergänge. 327 
der Instrumente erreicht worden. Zwar die Kapellen waren noch 
tlein und die Zahl der Tonwerkzeuge wurde gegen früher sogar 
vermindert: namentlich die Blasinstrumente erlitten eine Be— 
schränkung auf Flöten, Fagotte, Trompeten, Posaunen und den 
kirchlich gebrauchten Zink, wozu seit Ende des 17. Jahrhunderts 
noch Oboen und Hörner, seit Mitte des 18. Jahrhunderts auch 
Klarinetten kamen; vorherrschend wurden die Saiteninstrumente. 
Aber innerhalb dieser, denen sich noch Orgel und schließlich auch 
schon Klavier zugesellten, lernte man sich auskennen; immer tiefer 
bersenkte man sich in ihre Eigenheiten, immer stärker erweiterte 
man ihre Technik, immer mehr verfeinerte und vervielfachte 
man ihre Kombinationen und Klangwirkungen. 
So konnte sich schon ein konzertierender Stil entwickeln; 
und die Instrumentalmusik begann aus der bisher bestehen— 
den Dienstbarkeit gegenüber der Vokalmusik leise herauszutreten. 
Dabei gewannen vor allem die Orgel und das Klavier, daneben 
aber auch die Violine eine führende Stellung, — die Orgel in 
dem Sinne, daß sie namentlich für die sinnvolle Ausgestaltung 
des Chorals ein eigenes Orchester bildete, das Klavier teilweis 
ähnlich zunächst für den Tanz, die Violine endlich als Dominante 
innerhalb des instrumentalen Orchesters!. 
Es sind, sehen wir von der Orgel ab, die der Kirchengemeinde 
verblieb, die ersten, noch unbestimmten Anfänge der instrumentalen 
Kammermusik; sie liegen in der zweiten Hälfte des 17. Jahr— 
hunderts. Und schon bildeten sich für diese neue Formen. Vom 
Klavier und von der Orgel her, die für die Ausbildung des Klaviers 
teilweis vorbildlich war, ergaben sich die Fuge, die Phantasie, 
die Toccata. Für die übrigen Instrumente war der Tanz die 
früheste selbständige Form gewesen?. Man bebhielt sie bei; in— 
dem aber die Allemanden, Bourées, Ciacconen, Gavotten, 
Menuetts, Passacaglien, Pavanen, Polonaisen, Sarabanden 
Der Vorherrschaft der Saiteninstrumente im Orchester entspricht der 
noch dünne, harfenartige Ton des Spinetts auch in seiner Ausbildung 
schon zum besten Kielflügel. 
2 S. dazu auch Bd. VI, S. 219 ff.
	        
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