Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Weitere musikalische und literarische Übergänge. 349 
keineswegs: Friedrich der Große, der Kriegsfürst dieser Jahre, 
erscheint unter der typischen Benennung des „Menschenfreundes“, 
und der Gott der Schlachten wird empfindsamen Regungen 
zugänglich gedacht. Aber im ganzen ist die Phantasie, die 
diese Gedichte, Lieder vor und nach den Schlachten des großen 
Krieges, durchzieht, doch gegenständlich: mit Recht spricht 
Lessing in dem Vorbericht, mit dem er die einzeln erschienenen 
Lieder gesammelt herausgab, davon, daß sich in ihnen eine 
„gehorsame Begeisterung“ offenbare, „die sich nicht durch 
Sprünge und Ausschweifungen zeigt, sondern die wahre Ord⸗ 
nung der Begebenheiten zu der Ordnung ihrer Empfindungen 
und Bilder macht“. Es war eine gewaltige Errungenschaft: 
aus der Wolkenwelt der Phantasie war die Dichtung hinein—⸗ 
versetzt in das Tageslicht des eben Gewordenen. Wo hatte 
man bisher von männlich klaren Entschlüssen gesungen? Der 
Grenadier aber ließ seine Kameraden geloben: 
Gehorfam feurigem Verstand 
Und alter Weisheit nun, 
Stehn wir, die Waffen in der Hand, 
Und wollen Taten tun. 
Und wo haͤtte man bisher in knapper Beschreibung epischen 
Ton getroffen? Gleim aber malte in vier berühmten Zeilen 
das unvergängliche Bild des königlichen Feldherrn: 
Auf einer Trommel saß der Held 
Und dachte seine Schlacht, 
Den Himmel über sich zum Zelt 
Und um sich her die Nacht. 
So mußten diese Lieder volkstümlich werden. Es war 
aicht die Gestalt des großen Königs allein, die sie hob, und 
der unser Dichter — 1744 -1747 Geheimschreiber des Prinzen 
Wilhelm von Preußen — mit der treuen Begeisterung eines 
freiwillig Untergebenen anhing: sie trugen in sich trotz aller 
Anrufung der Kriegsmuse, trotz Rom und Sparta, trotz Apollo 
und Mars ein nationales Moment; der Volkston war ge— 
troffen; sicheres Hervorziehen weniger Personen, die redend ein⸗ 
zeführt werden, klare Konzentration auf den großen König,
	        
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