Weitere musikalische und literarische Übergänge. 363
Lichtwirkung; und ihr folgte die tektonische, plastische und male—
rische Ausschmückung.
So weit erscheint der Verlauf der Baugeschichte des 16.
his 18. Jahrhunderts einfach genug. Aber in diese Entwick—
lung, wie sie aus inneren und äußeren Bedürfnissen der euro—
päischen Völker her leicht erklärbar ist, war nun seit dem
16. Jahrhundert der weltgeschichtliche Einfluß der Antike ge—
treten. Und er hatte verwirrend gewirkt.
Die erste architektonische Periode dieses Einflusses, die der
speziellen Renaissance, begreift in Deutschland eine Zeit
schlimmsten Durcheinanders der verschiedenartigsten Motive und
Versuche; und nur in Holland geht aus ihnen schließlich ein
einheitlich durchgebildeter nationaler Stil, der Back-Hausteinbau,
hervor. Im Barock klärt sich dann, zunächst von Italien her,
unter tiefen Umwandlungen der antike Einfluß; im Rokoko
vird er, zunächst in Frankreich, bis zur Unkenntlichkeit um—
gestaltet und schließlich beiseite geworfen.
Die Art aber, in der dieser Prozeß sich vollzieht, ist lehr⸗
ceich genug. Das, was sich von der Antike zunächst und am
einfachsten hatte aufnehmen lassen, war das Ornament im
weitesten Sinne des Wortes gewesen: durchaus dekorativ hat
wenigstens in Mitteleuropa und vor allem in Deutschland die
Renaissance begonnen. Konnten aber in Ornamenten, selbst
wenn man sie eng mit tektonischen Gliedern verknüpfte, ja diese,
soweit sie ihrem ursprünglichen Zwecke entfremdet waren, in sie
aufgehen ließ, die dauernden Grundlagen eines Stils gegeben
sein? Das Ornament erlebte, je nach der Entwicklung des
tieferen, nationalen Problems der Lichtführung, die sonder—
harsten Wandlungen. In der Renaissaneezeit fein gegliedert,
zart und gefällig, wurde es im Beginn der Barochzeit schwer,
nassig, gebunden; dann, in Italien mit Bernini, erscheint es
leichter und fröhlicher, aber auch leichtsinnig und gefall—
süchtig, bis im Rokoko seine Verflüchtigung ins Spielende
eintritt.
Nun wurden freilich neben der Entwicklung des Orna—
mentes die eifrigsten Studien Vitruvs betrieben, in dem ernsten