weitere musikalische und literarische übergänge. 367
Türme an den Kirchenbauten auf dem Gendarmenmarkt, der
Communs am Neuen Palais und des Marmopalais bei Pots-⸗
dam. Von ihm läuft dann eine ziemlich grade und zusammen—
hängende Linie über Langhans, den Erbauer des Brandenburger
Tores (1793), hin zu der späteren Erneuerung der Antike
durch Schinkel.
Indem nun auf diese Weise in der Architektur seit etwa
der Mitte des 18. Jahrhunderts zwar nicht der Einfluß der
Antike siegte, aber doch unter deren Einfluß eine Vereinfachung
der Tektonik wie des baulichen Schmuckes eintrat, wurde auch
für die übrigen Künste das Problem der Antike, und das hieß
in der durch die Architektur herbeigeführten Vereinfachung das
Problem der edlen Einfalt und Größe unter gewissen anti—
kisierenden Manieren, gestellt. Und es entsprach den Anfängen
des neuen architektonischen Klassizismus in Deutschland, wenn
es vor allem an dessen frühestem Standort, in Dresden,
erörtert wurde und man es dort unter der herkömmlichen An—
schauung von der Lehrbarkeit und Lernbarkeit der Kunst zu lösen
suchte.
In Betracht kam da an erster Stelle die Malerei. Diese
hatte man sich etwa seit spätestens den Caraccis als eine lehr⸗
bare Kunst, als ein Wissen zu betrachten gewöhnt!, in dem es
sich vornehmlich um die geschickte Zusammenstellung von Farben
handle, sowie darum, mit dieser Zusammenstellung nach den
Mustern großer Meister die Natur nachzuahmen.
Dieser Rezeptierung hatte dann natürlich eine tote aka—
demische Kunst entsprochen, die ganz im Formelwesen aufging
und der jeder persönliche, auf den Meister und dessen Kraft
hinweisende Inhalt fehlte. Die Malerei war damit auf einen
Tiefpunkt gelangt, der demjenigen der Architektur vor den
neuen klassischen Einflüssen entsprach. Und ein gleiches galt
auch für die Bildnerei. Nur daß hier der absoluten inneren
Leere nicht eine ebenso kahle äußere Anordnung entsprach,
sondern vielmehr eine Berninis Kunst noch weit übertreffende,
m Mengs, Gedanken über die Schönheit (Reklam), S. 19; s. Bd. VI