Weitere musikalische und literarische Übergänge. 371
kommenheit sucht, das Teil des einen und andern zusammen—
zufügen.“
Dieser Aufgabe nun widmete sich Mengs; aus solchem
Bestreben sind seine Malereien in der Dresdner Hofkirche, ist
sein Parnaß in der Villa Albani zu Rom hervorgegangen:
trockene, korrekte, „schöne“ Bilder ohne rechtes inneres Leben,
gekünstelt und nur durch das technische Können des Meisters
bon Interesse. Die Zeit aber feierte ihren Schöpfer als Voll—
ender seiner Kunst, als pictor philosophus; und eine an Zahl
nicht geringe Schar von Malern schloß sich ihm an, aus deren
Kreisen im wesentlichen heute nur noch der Name der sanften,
etwas süßlichen Angelika Kaufmann herübertönt.
Soviel aber stand nach der Schrift Winckelmanns und ent⸗
sprechend der Malerei, die die in ihr ausgesprochenen Gedanken ver⸗
körperte, fest: der Bann der Aufklärung war für die bildenden
Künste noch keineswegs gebrochen; ihrem rationalistisch-eklektischen
Lehrsystem war mit der Nachahmung der Alten nur ein neuer
Programmpunkt neben der Nachahmung der Neueren eingefügt.
Sollte die Brücke zu einer grundsätzlich anderen Auffassung ge—
schlagen werden, so bedurfte es tieferer theoretischer Fundamen—
tierung. Sie ging von Lessing aus, und sie liegt vor in seinem
1766 erschienenen „Laokoon“.
Der Zentralbegriff der rationalistischen Asthetik war der
der Nachahmung gewesen: die Kunst wurde nicht von innen
her, als Erzeugnis empordringender Phantasietätigkeit des
Künstlers, sondern von außen her, als Produkt des Vorhabens,
gewisse Dinge mit gewissen Mitteln künstlich nachzuahmen, be—
griffen. Darum eben war die Kunst lehr- und lernbar, und
indem sie dies war, ordnete sie sich der Psychologie der Auf—
klärung ein, welche die Seelentätigkeit allmählich auf den Ver—
stand zu reduzieren suchte.
Sollte an die Vernichtung dieses Systems herangetreten
werden, so bedurfte es vor allem der Sprengung des im
Vordergrunde der Praxis und der Diskussion stehenden Be—
griffs der Nachahmung. Dieser Begriff fand nun, bei der
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