Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 21
ersten Einführung in die Pfalz (1562) folgten die Siege in
Bremen, in Nassau, in Hessen, in Anhalt, in Brandenburg und
in den Herzogtümern der schlesischen Piasten; und überall
kamen sie der französischen Kultur zugute. Das um so mehr,
als sich der reformierten Konfession ganz allgemein zugleich der
Fortgang der Wissenschaften, wenigstens der Geisteswissen⸗
schaften, anschloß. Damals verfiel Wittenberg als Universität:
und der geistige Primat ging auf Heidelberg und Straßburg,
das 1621 Universität geworden war, über, auf Hochschulen und
Bildungszentren im Westen, an denen vielfach Franzosen lebten
und wirkten.
Gleichwohl blieb französische Bildung im 16. Jahrhundert,
neben den unvermeidlichen Überstrahlungen an den Grenzen,
besonders im Elsaß, Eigentum nur einer ganz bestimmten An—
zahl von Fürstenhöfen; um 1600 wurde sie besonders in
Württemberg und in der Pfalz, in Hessen und in Anhalt ge—⸗
pflegt. An diesen Höfen ging vor allem die Korrespondenz
nun ganz an die fremde Sprache über; die Prinzessin Elisabeth
von Hessen schrieb ihrem Vater schon als siebenjähriges Kind
französische Briefe. Allein neben diesen Höfen gab es doch,
und namentlich im Norden, noch eine weit überwiegende An⸗
zahl ganz oder fast ganz deutscher: so in Braunschweig, Sachsen,
Brandenburg und Pommern; und im Süuden und Südosten
hielt sich immer noch die Pflege des Italienischen. Wie sehr
selbst an den französischen Höfen noch Italienisch, bisweilen
auch Spanisch, gelegentlich, wie z. B. in der Pfalz, selbst
Englisch getrieben wurde, zeigt wohl kein Beispiel besser, als
das von Hessen. Hier begründete Moritz im Jahre 1599 zu
Marburg das 1618 nach Kassel verlegte Collegium Mauricianum
als eine Schule, in der neben den alten auch die romanischen
Sprachen gelehrt werden sollten, und fand in den bewegten
Jahren seiner Regierung noch Zeit, ein französisches Dictionnaire
zu verfassen, während seine Tochter Elifabeth einen Conta⸗
rinischen Schäferroman ins Deutsche und Lobwassersche Psalmen
ins Italienische übersetzte, sowie Madrigale und Kanzonen
dichtete nach der Weise Petrarcas. Man sieht: es lief bei