übersicht der fremden Lultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrhh. —19
ebenso des politischen Übergewichts Frankreichs, wie einer schon
seit dem 16. Jahrhundert vorbereiteten glänzenden Entwicklung
der Kultur. Dabei ging der französifche Einfluß schließlich
weit mehr, als das bei anderen fremden Einwirkungen der
Fall gewesen war, über die bloße Einfuhr vereinzelter Kultur—⸗
elemente hinaus und erreichte schließlich fast die volle Auf⸗
nahme seiner Bildungsideale wenigstens im inneren Deutsch⸗
land.
III.
Die französische Kultur hatte in der zweiten Hälfte des
16. Jahrhunderts eine Blüte erlebt, der gegenüber die Bil—
dungen des Zeitalters Ludwigs XIV. von einem gewissen
Standpunkte aus fast als ärmlich und konventionell bezeichnet
werden können. Sieht man auch vom Aufschwunge der Künste
und der Dichtung und dem vielgestalteten Leben auf religiös⸗
kirchlichem Gebiete ab, — welcher Reichtum großer Namen allein
der Wissenschaft! Da stehen neben den Philologen Stephanus,
Scaliger und Casaubonus die Juristen Budäus, Pithöus,
Hotomannus, Gothofredus, und die Philosophen und Welt—
weisen bilden von Ramus über Montaigne und Charron bis
auf Descartes eine Reihe fast ohnegleichen.
Allein diese Kultur, vornehmlich doch eine solche der
Geisteswissenschaften, hat nach außen nicht allzusehr und vor
allem nicht ihrem innersten Kerne nach eingewirkt, so stark
auch von ihr, wie sie wesentlich hugenottisch war, die cal—
vinistischen Niederlande beeinflußt wurden; gehörten doch Männer
wie Descartes oder Scaliger den Niederlanden mindestens
ebensosehr an als Frankreich. Vielmehr ging die Einwirkung
Frankreichs nach außen hin schon damals vornehmlich von einer
anderen Seite aus: sie war geknüpft an die Bildung eines neuen
gesellschaftlichen Lebensideals, des Ideals des Weltmanns, des
homme du mondo.
Die Ausbildung dieses Ideals führt an den Hof; und
vielleicht darf man es in dieser Luft bis in die Zeit und die