Übersicht der fremden Kultureinflüsse vom 16. bis ins 18. Jahrh. 27
Austausch von Platz zu Platz und von Land zu Land, es war
eine einseitige Überschwemmung mit französischen Fabrikaten.
Und wie wurden diese Fabrikate gekauft! „Die Uhren gehen
beßer,“ sagt Johann Jakob Becher in seinem politischen Dis⸗
kurs vom Jahre 1668, wann sie die Teutsche zu Pariß ge—
macht haben, als wann eben selbige Meister solche zu Augs—
burg gemacht hätten; dann die Luft allda ist besser darzu; ihre
Spiegel seind heller als die Venetianische; ihre Weiber Auff—⸗
sätz, Garnitur, Bänder, Ketten, Perlen, Schuh, Strümpffe,
endlich gar die Hemden seynd besser, wann sie die Frantzösische
Lufft ein wenig parfumirt hat (wie wohl ehe ich sie anlegen
thäte, den gutten Geruch erstlich mit Schwefelrauch, als wie
man den Briefen in der Pest thut, vertreiben wolte); man
fährt nicht wohl in den Kutschen, wann sie nicht die Frantzö⸗
sische Mode haben; der Frantzösische Hutstock schicket sich auf
alle Teutsche Köpfe“ u. s. w. Und er berechnet in seinem
patriotischen Schmerze, daß Deutschland an Frankreich jähr⸗
lich mindestens vier Millionen Taler für Industrieprodukte ver—
liere.
Über den Import materieller Güter hinaus ging aber noch
der Import von Sprachgut. War die deutsche Sprache schon
im 16. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 17. Jahr—
hunderts vornehmlich durch das Humanistenlatein verdorben
worden, so daß Klagen über Fremdwörter wie nicht minder
über die Latinisierung der Eigennamen schon früh erschollen waren
und bereits 1571 ein erstes Fremdwörterbuch hatte erscheinen
müssen, so trat jetzt eine förmliche Französierung des Deutschen
nach Satzbau wie Wortschatz ein; Lauremberg hat später geradezu
von „französischem Düdsch“ gesprochen; Lessing noch schreibt
in seiner Jugendzeit sein Deutsch nach nicht wenigen Regeln
der französischen Sprache und bedient sich selbst in der „Emilia
Galotti“ noch einer Sprache, die von Gallizismen wimmelt,
und selbst in der Sprache des jungen Schiller ist noch der
Einfluß des Französischen merkliche Vor allem aber Hurde
Schon zur Zeit des Westfälischen Friedens gilt ein Satz wie der folgende