Neue Ideale weltmännischer und gelehrter Bildung. 41
erlag man, blasiert, teilnahmlos, abgestanden, den Folgen einer
raffinierten Genußsucht.
Und wie der Fürst, so zumeist der Adel des Landes.
Denn das erweiterte Bedürfnis der Repräsentation wie die
zunehmende Intensität der Verwaltung zog, wenigstens in
kleineren Territorien, leicht den ganzen Adel in die Kreise des
Hofes und der Residenzstadt. Zudem lockten hier außer der
Nähe der hochfürstlichen Personen häufig bedeutende Einnahmen;
denn es lag im System eines Fürstentums, das sich aus dem
Erdbereich des Volkslebens immer mehr entfernte, daß es hoch
zahlte: die Gehälter der Minister und höheren Hofchargen
überschritten insgemein das Maß unserer heutigen Auf—⸗
wendungen, sogar in dem armen Preußen: Kolbe von Warten⸗
berg erhielt unter Friedrich J. bis zu 128000 Taler jährlich
und bei seiner Entlassung eine Pension von 24000 Talern;
welche Summen Graf Brühl aus Sachsen gezogen hat, läßt sich
aus seiner Lebensführung und der Größe und Ausstattung
jeines Dresdner Palastes ermessen.
Zudem hatten die Fürsten wenigstens hier und da den
Adel schon von alters für die Zwecke ihres Hofes und ihrer
Verwaltung noch besonders herangezogen. Das Mittel dazu
war die Begründung von Ritterakademien gewesen, so in der
Pfalz, in Hessen, in Württemberg. Jetzt nun, seit Ende des
17. Jahrhunderts, wurden diese Bestrebungen von neuem auf⸗
genommen, und ihnen sekundierte eine zahlreiche Literatur,
namentlich auch von Monatsschriften, deren Inhalt Aus—
einandersetzungen über das neue Lebensideal der Franzosen
darbot?. So bildete sich denn zunächst für die adlige Er—
In einem Fürstentum mittleren Schlages mit 70 000 Einwohnern
Leiningen) wurde eine „Zentraldienerfchaft“ von 50 Räten, 18 Sekretären,
54 Subalternen gezählt (Biedermann 1, 97 ff.). Dabei gab es auf deuischem—
Boden nahezu 2000 gesonderte Territorien.
UÜber die gesellschaftlichen Vorgänge an den Höfen berichteten vor—
nehmlich der ‚„Mercure galant“, der „Mercure historique“, das , Theatrum
Puropaeum“, das „Eroffnete Cobinec großer Herren“ u. s. w.