Neue Ideale weltmännischer und gelehrter Bildung. 49
neuen Beamtenadel. In beiderlei Sinn wohl hatte schon der
Stifter des Palmenordens, Fürst Ludwig von Anhalt⸗ Köthen
(1579 - 1650), ausführen können, die Gelehrten seien von wegen
der freien Künste auch edel. Nun wurde freilich dieser Zu⸗
sammenhang für die Teilnahme der bäuerlichen Kreise all⸗
mählich bestritten. Noch Colerus! hatte im Jahre 1607 den
Bauern raten können:
Tu deine Söhne erst probieren,
Ob einer Lust hat zum Studieren:
Dazu sollst du ihm helfen gern,
Dazu kein Geld noch Gut erfparn,
Denn oft ein armes Bauerkind
Zu großen hohen Ehren kömbt.
Im 18. Jahrhundert dagegen finden sich Vorschriften, daß
Kinder unbemittelter Eltern, vornehmlich von Bauern, zu den
gelehrten Studien nicht zugelassen werden sollen, es sei denn
bei besonders hoher Begabung. So verbot z. B. eine hessische
Verordnung von 1721, „Buürgern oder Bauern und herrschaft⸗
lichen Livreebedienten, ihre Kinder von den gemeinen Han⸗
tierungen ab und zum Studieren oder in dem Stande der so⸗
genannten Honoratioren zu erziehen, er habe denn vorher hin—⸗
längliche Attestate von deren Fähigkeiten beigebracht und gnädigste
Einwilligung dazu erhalten“. Es sind Versuche des gesteigerten
Absolutismus, den starren Kastencharakter der Stände vor—
nehmlich der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in dem
Augenblicke aufrechtzuerhalten, da, vermöge des Emporkommens
eines neuen Bürgerstandes, dessen letztes Stündlein zu schlagen
begann.
Allein einstweilen lag doch die merkwürdige Tendenz vor,
alles, was hervorragende Bildung und Gelehrsamkeit besaß, in
dieser oder jener Form, sei es als Berufsadel, sei es als
Titularadel, dem alten Stande des niederen Adels anzugliedern
oder einzuverleiben. Es ist eine Richtung, die der Kultur der
Calend. perpet. II, 7ff.; zit. Großmann S. 49.
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 1.