Weitere Entwicklung des Intellektualismus. 63
geistiger Muße, sowie im Verlaufe des 17. Jahrhunderts die
soeben“ geschilderte soziale Entwicklung im Sinne einer all—
gemeinen Verschärfung der gelehrten Tendenzen ergeben hatte,
und als eine letzte, größte, scheinbar aus dem Vollsten gewonnene
Hypothese, die des Pandynamismus, sich dennoch als ungenügend
herauszustellen begann.
Freilich blieb daneben noch immer ein Moment bestehen,
das eine rein voraussetzungslose Betrachtung der anorganischen
Natur — und um diese als das anscheinend leichter zu lösende
Rätsel, nicht um Leben und Geist handelte es sich zunächst —
zu hindern schien: der christliche Offenbarungsglaube. Und er
kam mit einem Moment in Betracht, das auch sonst, aus all—
gemeinen Voraussetzungen her, aufs tiefste im Denken der Zeit
verankert war, dem teleologischen. Im ursprünglichen Bewußt-
sein spielt der Zweckbegriff eine ganz überwiegende Rolle,
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Kulturen alles Geschehene teleologisch, und zwar nach Analogie
menschlichen Tuns, beurteilt: hinter die Naturerscheinungen
treten die Götter. Es ist gleichsam die Einverleibung des
menschlichen Verstandes in die Natur: die Natur schafft zu
bestimmten, nach menschlichem Denken definierten Zwecken.
Mit dem christlichen Denken war diese Auffassung nun in der
Art in Verbindung getreten, daß man hinter der Natur den
Christengott in bestimmter Richtung schaffend sah und diese
Richtung vornehmlich dadurch bestimmt fand, daß alles Schaffen
dem Menschen als der Krone der Schöpfung zugute komme.
Es ist die Ansicht schon der Schöpfungsgeschichte der Genesis;
noch mehr hat sie in allen dogmatischen Fixierungen der christ⸗
lichen Lehre und auch noch in den physiko-theologischen
Systemen des 18. Jahrhunderts und darüber hinaus eine Rolle
gespielt.
Was widersprach nun in dieser Anschauung einem rein
empirischen Denken? Am unmittelbarsten doch wohl der
S. oben S. 48 ff.