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Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
anthropozentrische Standpunkt. Denn wie war reine Erkenntnis
möglich, bezog man von vornherein jedes Ding und jeden Vor—
gang auf menschliches Sein und wo möglich Wohlsein? Der
in diesem Sinne der Natur untergelegte Verstand mußte ver—
trieben werden. Sah man dagegen hinter dem Gesamt—
geschehen, das man in den nächsten, menschlichen Beziehungen
als zwecklos betrachtete, des weiteren noch einen einzigen, all—
mächtigen geistigen Trieb, so stand der Annahme eines
solchen Triebes eigentlich nichts entgegen, wenn sein Wirken
gesetzmäßig erschien und als solches erkannt wurde: denn sehr
wohl konnte sich dieser Trieb in ewigen, selbstgesetzten Normen
auswirken. Ausgeschlossen blieb allein die Willkür, blieb das
Wunder.
Nach alledem war klar, welcher Voraussetzungen ein neues,
cein empirisches Erkennen zunächst auf dem Gebiete der an—
organischen Natur, dann aber auch auf dem der Lebenswelt
und der seelischen Vorgänge bedurfte: des energischen Ein—
dringens in das Einzelne der Erscheinungen, der Abstraktion vom
anthropozentrischen Standpunkte, der Zulassung einer urgewal⸗
tigen, absoluten, göttlichen Triebkraft nur in dem Sinne gesetz-—
mäßiger Auswirkung.
Von diesen Voraussetzungen war die erste durch Schaffung
geistiger Muße und sozialer Achtung für die gelehrten Berufs—
arten erfüllt, die zweite wenigstens stark vorbereitet durch die
Verschiebung der Weltkenntnis seit dem Zeitalter der Ent—
deckungen und der Hypothese des Koppernikus, die dritte endlich
ihren allgemeinen Zügen nach durch den Pandynamismus des
16. Jahrhunderts näher gelegt, als früher, und in unmittel⸗
barem Widerspruch befindlich nur noch mit dem Wunderglauben
der Kirche, nicht dagegen mit dem Glauben an Gott. Es war
eine Lage, die immerhin schon die Entwicklung einer voraus—
setzungslosen mechanischen Naturwissenschaft zuließ; und wie
deren Anfänge denn in der Tat alsbald in den Forschungen
eines Stevinus, Galilei, Newton auftraten, wird binnen kurzem
zu erzählen sein.