78 Neunzehntes Buch. Drittes Kapitel.
Bewegungen eben die der Himmelskörper seien: es übertrug
damit, übrigens einem schon bei Kepler, ja bei Koppernikus
hervortretenden Ideengang folgend, die Vorstellung von den
Wirkungen der Anziehungskraft der Erde auf das Welten—
system, begründete auf diese Weise den allgemeinen Begriff der
Schwerkraft und eröffnete so die weitesten Perspektiven auf eine
grundsätzliche Gleichheit kosmischer Bewegungen und kosmischer
Stoffe. Es erschütterte damit eigentlich auch schon das helio⸗
zentrische System des Koppernikus; denn dieses erschien nun
bereits als zu begrenzt: als eine Unendlichkeit von Welten, die
durch einfache Gesetze der Gravitation und Eigenbewegungen
zusammengehalten wurden, ergab sich das Weltall.
Welch ungeheure Veränderung des kosmischen Horizontes
im Verlaufe von noch nicht zwei Jahrhunderten! Wie schrumpfte
da der vom geozentrischen Horizont so abhängige anthropozentrische
Standpunkt vollends zusammen! Was war das Menschenkind
aoch, daß man seiner gedächte?
Als Newton hochbetagt im Jahre 1727 starb, begann seine
Lehre Gemeingut der europäischen Kultur zu werden; in wissen⸗
schaftlichen Kreisen trat Maupertuis (1698—1759), gegen Ende
seines Lebens Präsident der Berliner Akademie, als ihr Vor—
kämpfer auf, in den weiten Kreisen der Gebildeten Voltaire
(Lettres sur les Anglais, 1784; Plé ments de la philo-
sophie de Newton, 1740 und 1741).
Mit den Lehren Newtons schließt das ältere Zeitalter der
Astronomie. Das 18. Jahrhundert hat dann nur noch aus—⸗
gebaut, was es im vollsten Erblühen vorgefunden hatte, indem
es die Übereinstimmung zwischen der Rechnung und den bis—
herigen Beobachtungen vervollständigte — also Induktion und
Deduktion, beide als gleichberechtigt vorausgesetzt, einander
näherte — und namentlich die nachweisbaren Störungen be—
rechnete, die sich aus der Konkurrenz der einfachsten Gesetze
ergeben mußten. Auf diesem Gebiete liegen die Verdienste
Eulers und Clairauts, Laplaces und Lagranges, auch das des
deutschen Astronomen Tobias Mayer, der 1762 die Bewegungen
des Mondes der praktischen Ausnutzung des Seemanns zu—