Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 553 
oranische König von England beitrat. Es waren Anfänge 
zines gemeinsamen Widerstandes im Westen, die, wenn auch 
unter mannigfachen Rückschlägen, wie sie namentlich der 
häufigen Erschöpfung der Kriegführenden, einer typischen Er— 
scheinung der Zeit größter Söldnerheere entsprachen, schließlich 
doch zu dem Frieden von Rijswijk und zur Dämpfung der 
Ansprüche Frankreichs (1697) geführt haben. Im Beginn 
dieser Kämpfe aber vor allem erschien Österreich als deren 
treibendste moralische Macht, und dieser Moment wurde von 
ihm zur Herbeiführung eines seit lange unerhörten Ereignisses 
ausgenutzt, das wiederum wie das Aufleben eines Stückes der 
schönen Kaiserzeit des früheren Mittelalters anmutet: zur 
Wahl eines jugendlichen, ja fast noch knabenhaften deutschen 
Königs aus dem herrschenden Hause. Im Jahre 1689, im 
fünfzigsten Lebensjahre Kaiser Leopolds, begannen die Ver— 
handlungen; da sie zu gleicher Zeit auf lange hin französische 
Gelüste auf den deutschen Thron auszuschließen bestimmt 
waren, so wurden sie auch von England und den Niederlanden 
gefördert; einstimmig wurde am 24. Januar 1690 der nun 
elfiährige Erzherzog Joseph zum römischen König gewählt und 
zwei Tage darauf vom Mainzer Kurfürsten gekrönt: zwei 
Kronen, die deutsche und die ungarische, vereinte er schon auf 
seinem Haupte: welch glücklicher Aspekt für die Gegenwart 
ind welche Verpflichtungen für die Zukunft! 
Der Türkenkrieg aber währte inzwischen fort, obwohl ihn 
die Pforte schon längst durch Friedensangebote zu beendigen 
gesucht hatte: nicht ohne inneren Grund: es galt, die Osmanen, 
wenn auch unter mancherlei Wechsel des Glückes, endgültig an 
der Donau niederzuringen. Es war zugleich eine Aufgabe, in 
der sich eine Haupteigenschaft der Wiener Politik, die der 
Zähigkeit, glänzend bewähren konnte. 
Und schienen nicht die nächsten militärischen Ereignisse 
den Zugang zur Verwirklichung kühnster Hoffnungen zu er— 
öffnenꝰ Im Jahre 1689, einem der ruhmvollsten Feldzugs— 
jahre des Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden, gelang 
es, die Türken in zwei gewaltigen Schlachten bei Batoschina
	        
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