Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanis cher Erbfolgekrieg; Osterreich euürop. Großmacht. 557 
porwärts drängenden Zar Peter gewiß schienen. Da war in 
Polen die Kandidatur des französischen Prinzen Conti auf 
den Königsthron gescheitert; aus einem für polnische Verhält— 
nifse charakteristischen Wahlakte war schließlich Friedrich August 
von Sachsen als König hervorgegangen und hatte sich mit 
einem kleinen Heere entschlossen in den Besitz der Herrschaft 
gesetzt, während der Prinz Conti, mit einem Geschwader zu 
spät vor Danzig erschienen und von der Stadt nicht eingelassen, 
zum Gespött der Welt wieder hatte heimkehren müssen: lahm 
lag der französische Einfluß in Polen, und wahrscheinlich er⸗ 
schienen auch scharfe polnische Angriffe bei Fortsetzung des 
Krieges. Da sah sich endlich Ludwig XIV. selbst zum Frieden 
mit Kaiser und Reich gedrängt; nicht konnte fürderhin davon 
die Rede sein, daß Mittelenropa in Zangenweise von Franzosen 
und Türken zugleich kriegerisch bedruͤckt werde; und frei waren 
die rheinischen Völker des Reichs und des Kaisers für die 
Verwendung an der Donau. 
Unter diesen Umständen kam es, am 26. Januar 1609, 
zu dem Frieden von Karlowitz. Die Türken traten ganz 
Ungarn bis zur Teiß, sowie Slawonien und Siebenbürgen 
in den Kaiser ab und behielten nur die Sudostecke des Landes, 
das Banat, in dem aber nur Temesrar befestigt sein durfte, 
während ihm gegenüber der Kaiser Arad am Marosch als 
Grenzfestung ausbaute; außerdem verpflichteten sie sich, jeder 
Einmischung in die innere Entwicklung Ungarns zu entsagen 
und verbaunten Tököly, den Kuruzzenführer, den einstigen 
Fursten von Ungarn, den späteren türkischen Lehnsträger 
Siebenbürgens in ein verlassenes Nest Kleinasiens. 
Von den übrigen Kriegführenden, die gleichzeitig Frieden 
chlossen, erhielt Venedig Landabtretungen in Dalmatien und 
die Zusicherung des Peloponneses mit Zubehör, Polen die 
Garantie seines Besitzes von Podolien und in der Ukraine, 
sowie die Festung Kaminiec; Rußland endlich schloß nur einen 
Waffenstillfland auf zwei Jahre ab und behielt Asow. 
Für Zentraleuropa aber und insbesondere das deutsche 
Reich folgte dieser glorreiche Friede auf den mindestens ebenfalls 
damvrecht, Deutische Gespihne vn. 96
	        
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