Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 577 
Angriff zu parieren, indem er eine im hohen Grade überlegene 
Armee unter den besten Führern gegen den am meisten flan⸗ 
kierenden Feind, nach den Niederlanden sandte. Da kam Prinz 
Eugen von der Mosel her Marlborough zu Hilfe; und in der 
Schlacht bei Oudenaarde, am 11. Juli 1708, wurde das fran— 
zösische Heer geschlagen. 
Und wieder und ernstlicher noch drang Ludwig auf Frieden; 
im Haag hat man von März bis Mai 1709 perhandelt. 
Vergebens. 
So hieß es noch einmal eine Armee aufstellen — man 
durfte sagen die letzte. Im Jahre 1709 zog sie, reichlich aus— 
gestattet, geführt von dem erfahrenen Villars, ins Feld. Aber 
Villars standen in Prinz Eugen und Marlborough nicht 
minder geübte Feldherrn gegenüber: und in der Schlacht von 
Malplaquet, am 11. September 1709, der blutigsten vielleicht 
des Krieges, wo hundertundneunzigtausend Kämpfer gegen— 
einander standen, entschied das Glück nach langem Ringen 
gegen die in geringer Minderzahl Befindlichen, gegen die 
Franzosen. Zwar wurden sie nicht völlig vernichtet; aber 
dieser Ausgang wurde nur erreicht, weil sie den Kampf zeitig 
genug abbrachen, um ihrem Lande wenigstens Reste eines 
Heeres zu retten. 
So hätte man schließlich noch weiter kämpfen können, 
hätten nicht die inneren Kräfte Frankreichs jetzt schlechthin ver— 
sagt. Es mußte Frieden* werden um jeden Preis. Und die 
nächsten Jahre brachten in der Tat die Friedensschlüsse von 
Utrecht, Rastatt und Baden. 
Wie anders aber gestaltete sich der Inhalt dieser Friedens— 
schlüsse, als man nach allem zuletzt Erzählten vermuten sollte! 
Frankreich ging wenn nicht als Sieger, so doch als europäische 
Großmacht und erste Militärmacht des Kontinents fast un— 
geschwächt aus ihnen hervor. 
Der Grund für diese merkwürdige Wendung ist an erster 
Stelle in der Bedeutung zu suchen, die die Seemächte, und 
anter ihnen wiederum ganz an erster Stelle England in dem 
langwährenden Kampfe gewonnen hatten.
	        
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