Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Urieges. 401
Fortdauer ihrer eigenen Vergangenheit: die Verdichtung, die
Intensitätssteigerung, die sich mit jedem weiter geborenen Ge—
schlechte dadurch vollzieht, daß die Errungenschaften der früheren
Generationen in irgendeiner Stärke und in irgendwelchen
Formen fortwirken. Und je nach den verschiedenen Zweigen
der menschlichen Entwicklungserscheinungen kann man Gruppen
dieser Formen, kann man vor allem eine Gruppe der mate⸗
riellen Kultur und eine solche der geistigen unterscheiden, wobei
sich die erste vornehmlich in Wirtschaft, Gesellschaft und recht⸗
lichen Lebensformen einschließlich der Verfassung äußert, die
letztere hingegen sich in die Außerungen der Kunst und der Wissen⸗
schaft, des religiösen und des sittlichen Lebens zerlegen läßt.
Geht man von diesem Gruppenunterschiede aus, so er⸗
gibt sich für jede geschichtliche Betrachtung bald, daß die Fort—
schritte der Wirtschaft, Gesellschaft und Verfassung in der
steigenden Intensität ihres Eintretens den Charakter des Staats⸗
gebietes nach innerer Struktur wie äußerem Abschlusse — und
—D
dern vor allem Aufgabe der Erzählung dieses Buches ist —
wesentlich bedingen; nicht minder läßt sich aber auch auf sehr
einfache Weise zeigen, daß der allgemeine Fortschritt des Geistes⸗
lebens und insbesondere auch der Willensbildung von Kultur—⸗
zeitalter zu Kulturzeitalter grundlegend wirkt für die jeweilige
Durchbildung der Fähigkeiten, die den Helden, den Krieger, den
Staatsmann ausmachen. Und bald soll eine kurze Betrach⸗
tung speziell der deutschen Entwicklung veranschaulichen, wie
in jedem Betrachte greifbar und klar diese von den Unter—
schieden der einzelnen Kulturzeitalter abhängigen Bedingungen
nnwhen und auch militärischen Handelns gezeichnet werden
önnen.
Sind aber mit den Formen einer nationalen Verdichtung
der materiellen und geistigen Kultur alle Einwirkungen um—
schrieben, welche die spezifische Zeitabfolge auf das jeweilige
Wesen auch der äußeren Politik ausübt? Keineswegs: zu
ihnen kommen noch alle jene Einflüsse aus der internationalen,
universalen Zeitabfolge der Geschichte, welche als Rezeptionen