Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß. Königtums. 671
Soweit endlich das allgemeine staatsrechtliche Verhältnis
zwischen Fürst und Ständen in Frage kam, so war man zu
keiner ganz klaren Stellungnahme gelangt; der Kurfürst hatte
eine beruhigende Deklaration seines „gupremum et directum
imperium“ gegeben und gleichzeitig waren die Stände der
Aufrechterhaltung aller „wohlhergebrachten Freiheiten“ des
Landes versichert worden. Am wichtigsten war schließlich, daß
sich die Stände am 18. Oktober 1663 zur feierlichen Huldigung
in Königsberg entschlossen hatten.
Gewiß war mit alledem in Preußen noch nicht Ruhe ge—
schaffen. Wie die Verbindung besonders feindlicher ständischer
Elemente mit dem Polentum weiter währte — der Große
Kurfürst hat den jüngeren Kalckstein schließlich gegen alles
Völkerrecht in Warschau aufheben, nach Preußen bringen und
enthaupten lassen —, so kam es auch im Innern noch zu
tausend Einzelkonflikten. Und so war es wohl vornehmlich die
Lage in Preußen, die dem Kurfürsten in seinem politischen
Testamente vom Jahre 1667 den Satz an seinen Nachfolger
in die Feder gab: „Je mehr Landtage Ihr haltet, je mehr
Autorität Euch benommen wird, weil die Stände allzeit etwas
suchen, so der Herrschaft an ihrer Hoheit nachteilig ist.“ Doch
wußte sich der Kurfürst auch in Preußen noch weiter zu helfen;
mit einer Fülle diplomatischer Mittel und vorurteilsfreier
Gewalttätigkeiten bröckelte er immer mehr von den historischen
Rechten der Stände ab.
Übersieht man die innere Politik des Großen Kurfürsten
gegenüber den Ständen seiner Länder, wie sie vor allem nach
dem nordischen Kriege allenthalben energisch einsetzte, als
Ganzes, so ist es schwer, ihr Ergebnis auf eine einfache Formel
zu bringen. Es war zunächst nicht überall das gleiche. In
der Mark war der Kurfürst mehr Herr als am Rhein, und
am Rhein mehr als in Preußen. Ziehen wir gar noch
Magdeburg mit in Betracht, so läßt sich für dieses Land
sagen, daß es seine wirkliche Einverleibung im Sinne eines
Ausgleiches ständischer und monarchischer Tendenzen gar erst
in den Jahren 1713 bis 17283 erlebt hat; bis dahin hatte die
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