Die nordd. Staaten u. d. nord. Krieg; Entwickl. d. preuß Königtums. 673
zur Befreiung dieser vom fremden Einflusse ist der Kampf
gegen die Stände unternommen worden. Indes noch weniger
wie der Kampf gegen die Stände wurde die Entwicklung eines
wesentlich nur fürstlichen Finanzwesens schon vom Großen
Kurfürsten beendet. Vielmehr reichen wichtige hierher gehörige
Bestrebungen noch über die Zeit König Friedrichs J. hinaus
tief hinein in die Regierung Friedrich Wilhelms J.: erst
dieser hat zahlreiche Bestrebungen seiner letzten unmittelbaren
Vorgänger auf diesem Gebiete zu länger währendem Abschlusse
gebracht. Und eben deshalb, weil Friedrich Wilhelm J. in
dieser Materie nicht so sehr als Anfänger erscheint, wie als
Vollender, kann die innere Geschichte Brandenburg-Preußens
vom Tode des Großen Kurfürsten bis zum Regierungsantritte
Friedrichs des Großen am ehesten von einer Darstellung der
Entwicklung der Finanzen her verstanden werden.
Die Einnahmen des Staates ließen auch unter Friedrich
Wilhelm J. noch deutlich ihre doppelte Herkunft aus fürstlichem
Besitze und landständischer Bewilligung erkennen. Zu den
Einnahmen der ersten Art gehörten vor allem die Erträge der
Domänen und Regalien, zu denen der zweiten die Kontribution
und die Akzise; und die der ersten Kategorie wurden bis auf
Friedrich Wilhelm J. eigentlich ganz noch als fürstliches Privat—
einkommen behandelt.
Dabei war der Ertrag aus Domänen, Zöllen und sonstigen
Regalien noch in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
die einzige völlig regelmäßige Einnahme gewesen.' Aber er
hatte sich in dieser Zeit von durchschnittlich 233 000 Taler in
den Jahren 1612 bis 1617 auf etwa 42000 Taler in den
Jahren 1645 bis 1650 vermindert. Das hatte dann den Großen
Kurfürsten dazu getrieben, auf Veranlassung der Geheimen
Räte von Blumenthal und Tornow seit dem Jahre 1650 an
eine Reform dieser Einnahmen heranzutreten, und der Reform⸗
versuch hatte seit Herbst 1651, nachdem der Graf Waldeck in
des Kurfürsten Dienste getreten war, größeren Umfang an—
genommen. Eine Kommission von vier Geheimen Räten (Waldeck,
Blumenthal, Schwerin, Tornow), von der wir schon hörten, ver—