Waffengänge Osterreichs u. Preußens; Preußen europ. Großmacht. 767
den drängenden Russen, noch nicht. Kaunitz ließ daher am
22. Mai 1756 dem russischen Hofe mitteilen: „die Zeit sei schon
zu sehr verstrichen, als daß man noch in diesem Jahre beider⸗
seits die Armeen zusammenziehen, in Marsch setzen und die
Operationen zu gleicher Zeit anfangen könne. Man müsse also
bis zum nächsten Frühjahr warten. Inzwischen würde alles
darauf ankommen, das Spiel gut zu verdecken und den Ver—
dacht, den England und Preußen schon gefaßt hätten, tunlichst
abzumindern: denn das Vorhaben müsse bis zum wirklichen
Ausbruche geheim gehalten werden.“
Aber König Friedrich war schon längst auf seiner Hut,
so schwer es ihm wurde, sich von der absoluten Bestimmtheit
der Absichten seiner Gegner zu überzeugen. Vor allem Frank—⸗
reich traute er die ungeheure Schwenkung auf die Seite
Osterreichs nicht zu: dazu habe Richelieu denn doch zu viel
Mühe und Kosten daran gewendet, die Macht des Hauses
Ssterreich zu bedrücken. Indes allmählich wurde er besorgter.
Im Mai 1756 nimmt sein Mißtrauen zu. Im Juni erhält
er durch Verrat eines sächsischen Beamten Nachrichten, die
kaum noch einen Zweifel lassen; er beginnt zu rüsten. Dennoch:
gibt es kein Mittel mehr zu helfen als den Krieg? Eine
Denkschrift des Königs vom 28. Juni schließt: „Das Gleich—
gewicht ist verloren, sowohl zwischen den großen Mächten wie
innerhalb des Deutschen Reiches. ... Drei Dinge können
die Wege Europas wieder ins Gleiche bringen: die enge und
aufrichtige Verbindung zwischen den beiden Höfen von Berlin
und London; angestrengte Bemühungen um neue Allianzen,
die Anschläge der feindseligen Mächte zu durchkreuzen; —
wagender Mut im Angesicht auch der größten Gefahren.“
Aber die drohenden Nachrichten häuften sich. Am 16. Juli
endlich erfährt der König, die Reiterregimenter aus Ungarn
hätten bereits den Marsch nach Böhmen und Mähren an—
getreten.
Nun hält er sich nicht länger. Er fragt in Wien an
wegen dieser Rüstungen. Darauf verliest die Kaiserin dem
preußischen Gesandten am 26. Juli ihre Antwort ganz gegen
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