Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

168 Einundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
bischof mit einem neuen Plan der Reichsreform auf, der, an 
sich trefflich, in einer der schönsten politischen Denkschriften 
Leibnizens, der über die Sekurität des Reiches, niedergelegt ist: 
aber der Hauptvorteil der Reform sollte Mainz zufallen. Da 
schlossen einige Reichsstände, darunter wiederum Mainz und 
der Kaiser, das Marienburger Bündnis, das fast ganz ohne 
Wirkung geblieben ist. Da suchte man, in der elften Stunde, 
schließlich Ludwig XIV. durch den Ratschlag, seine Macht 
lieber zur Eroberung Agyptens zu gebrauchen, von der schon 
aufs schärfste ins Auge gefaßten niederländischen Beute ab— 
zulenken; und wiederum war Leibniz mit seinem geistreichen, 
lebendig geschriebenen Consilium Aegyptiacum der literarische 
Vermittler. Natürlich vergebens. 
Frankreich ging durch alle diese ohnmächtigen Versuche treu 
den Weg des Bündniswerbs — und der Bestechung der Reichs— 
fürsten. Vor allem mußte hier der Weg den Rhein hinab 
nach Holland frei gemacht werden. Denn Ludwig war ent— 
schlossen, die südlichen Niederlande und damit Spanien einst— 
weilen mit Krieg zu verschonen; mußten sie ihm doch nach der 
Eroberung des Nordens auch ohne Schwertstreich zufallen. 
Im Juli 1671 wurde, zum größten Teile durch Vermittlung 
der Brüder Fürstenberg, die den Namen des alten Schwarz— 
waldgeschlechtes im 17. Jahrhundert so schwer geschändet haben, 
Franz Egons, des Bischofs in Straßburg, und Wilhelm 
Egons, des Kölner Domherren, der Kurfürst von Köln, der zu— 
gleich Bischof von Lüttich war, gewonnen; er verpflichtete sich 
zur Stellung von Hilfstruppen, öffnete seine Länder fran— 
zösischem Durchmarsch und hat den Franzosen, außer der 
Anlegung von Magazinen in rheinischen Städten, schließlich 
sogar die militärische Besetzung der strategisch wichtigen Festung 
Neuß gestattet. Wenig später, Ende Juli 1671, wurde 
dann der münsterische Bischof Christian Bernhard von Galen 
eingefangen; kriegerisch gesinnt brannte er darauf, gegen die 
Generalstaaten zu ziehen, von denen die Provinz Geldern in 
aralten Spähnen mit seinem Bistum lebte. Und hinter diesen 
aordwestdeutschen Bundesgenossen, nach Osten zu, gleichsam im
	        
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