476 Einundzwanzigstes Buch. Ersies Kapitel.
rechtsrheinischen Landen zu drängen. Und einmal unterwegs
machte man tüchtige Fortschritte. Ende September gelang es
den Weg über Straßburg, unter patriotischer Hilfe der Bürger,
zu forcieren; schon sammelte sich die Armee nach den Vogesen
zu im Schutze der Stadt. Da war es denn für Turenne
höchste Not, die Deutschen zu besiegen. Rasch stürzte er von
Norden her auf sie los und schlug sie, wenn auch in fast un—
entschiedener Schlacht, bei Enzheim, am 4. Oktober 1674. Doch
gelang es dadurch nicht, die Deutschen wieder über den Rhein
zu werfen; sie nahmen an der Ill, nicht weit von Straßburg,
feste Stellung und erwarteten die Brandenburger.
Endlich, Mitte Oktober, kamen diese, gegen 20000 Mann,
Fußvolk, Reiter und Artillerie, eine ganze Armee für sich. Aber
mit ihnen, die vom Großen Kurfursten selbst geführt wurden,
zog zugleich ein schlimmer Gast ein: der Dualismus, ja mehr,
die Anarchie des Kommandos. Unter diesen Umständen kam
es im Grunde kaum noch zu mehr als kriegerischen Anläufen;
erreicht wurde nichts, und ein schier unerschöpflicher Strom
gegenseitiger Vorwürfe bezeichnete das Ende des Feldzugs.
Frankreich aber hatte inzwischen neben den Waffen die
Taler, neben dem Eisen das Gold wirken lassen: und es ist
schwer zu sagen, ob in diesen wie anderen Fällen nicht die
französische Diplomatie der Heerführung mehr als ebenbürtig
gewesen ist. In Polen war nach dem Tode Johann Kasimirs der
lang erwartete Fall der Königswaähl eingetreten: und er hatte
schließlch in der Erhebung des Krongroßfeldherrn Johann
Sobieski im Mai 1674 mit einem Erfolge Frankreichs geendet.
Denn es war klar, was mit der Wahl des Frankreich genehmen
Kandidaten gewonnen war: von Polen aus konnte man jetzt
Osterreich wie auch Brandenburg erfolgreich in die Weichen
fallen.
Wenn von diesen beiden Möglichkeiten aber die zweite zu—
nächst mehr Aussichten zu bieten schien als die erste, so war
der Grund dafür in dem seit 1672 bestehenden Bündnis Frank—⸗
reichs mit Schweden gegeben. Konnte nicht Schweden mit
der Aussicht auf polnische Hilfe oder Neutralität jetzt um vieles