Deutschland unter den polit. Nachwirkungen des Dreißigjähr. Krieges. 477
leichter gegen Brandenburg geschickt werden? Im Laufe des
Jahres 1674 verstärkte Frankreich die schwedischen Subsidien;
und auch im Interesse Schwedens schien es zu liegen, an den
Grenzen seiner deutschen Besitzungen Brandenburg nicht zu
mächtig werden zu lassen.
Zur Zeit, da der Große Kurfürst, um Weihnacht 1674,
seine Truppen aus dem unglücklichen Elsässer Feldzug über
den Rhein zurückführte, marschierten schwedische Truppen un—
erwartet in Brandenburg ein: es war ein unverhüllt treuloser
Überfall. Und so begreift es sich, wenn der Kurfürst überall
Sympathie und Hilfe fand, beim Reich wie bei den General⸗
staaten, die schon am 18. Februar 1678, für den gewöhnlichen
Geschäftsgang ihrer Diplomatie sehr rasch, Brandenburg bei—
zustehen beschlossen. Aber inzwischen zeigte sich die Gefahr
nicht so dringend, langsam nur sammelten sich zahlreichere
schwedische Truppen in der Mark, und der Kurfürst selbst
konnte bis Ende Mai in den Winterquartieren seiner Truppen
in Franken weilen.
Dann freilich, unter fast alleiniger Führung des Kur—
fürsten und nur seinem leidenschaftlichen, diesmal durch nichts
gehinderten Vorwärtsdrängen verdankt, vollzogen sich die Er⸗
eignisse mit einer Schnelligkeit, die in der Geschichte der Kriegs⸗
führung jener Jahre beinahe unerhört erscheint. Am 28. Juni
wurde durch überraschende Einnahme Rathenows seitens der
Brandenburger Truppen die schwedische Armee in zwei Teile
zersprengt; am 28. Juni die schwedische Hauptmacht, schon
auf dem Rückzuge befindlich, bei Fehrbellin geschlagen. Es
war ein stürmischer Reiterkampf von nur zweistündiger Dauer;
das Fußvolk hatte dem vorwärtseilenden Feldherrn, soweit es
nicht in Wagen mittransportiert werden konnte, schon längst
nicht mehr zu folgen vermocht. So war es auch nicht mög—
lich, eine regelrechte Verfolgung aufzunehmen. Aber ein noch⸗
maliges Rückzugsgefecht bei Wittstock genügte, die Mark end⸗—
gültig von den Schweden befreit zu sehn.
War mit der Beseitigung der schwedischen Gefahr wenigstens
für die Mark die Feldzugszeit des Jahres 1678 glänzend ein⸗
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VII. 2. 37