Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
in der Wahlkapitulation versprechen, nach Krästen auf diese 
Freiheit der Kommerzien“ zu halten. Aber wie hob sich von dem 
guten Willen dieser papierenen Aktenstücke die Wirklichkeit ab! 
Von Straßburg bis zur holländischen Grenze gab es im 
18. Jahrhundert auf dem Rhein nicht weniger als dreißig Zoll⸗ 
stätten; in dem engen Tale von Bingen bis Koblenz, wo eine 
Umgehung der Wasserfahrt zu Lande besonders schwierig war, 
allein neun — fast jede Stunde eine! Zudem lagen sie auf ver— 
schiedenen Ufern: die Schiffe mußten also kreuzen, um an die 
Zollstätten zu gelangen, und so mußten bei der Bergfahrt die 
Leinpfadpferde wiederholt übergesetzt werden. Dabei trugen die 
Rheinzölle damals im ganzen jährlich nur etwa 600 000 Taler. 
Aber auch in anderen Flußgebieten sah es um diese Zeit 
nicht besser aus. An der Weser gab es auf einer Strecke 
bon 27 Meilen oberhalb Bremens 26, an der Elbe zwischen 
Hamburg und Magdeburg 19 Zollstätten, zwischen Dresden 
und Magdeburg wiederum 16. An der Elbe hat es sogar 
noch bis zum Jahre 1858 als Rest früherer Praxis 16 Zoll-⸗ 
stätten gegeben, bei denen im Durchschnitt jährlich etwa 2 Mill. 
Mark gezahlt wurden; das meiste an Mecklenburg und Hannover, 
die wahre Raubzölle erhoben. 
Indes im 16. und 17. Jahrhundert wurde der nationale 
HZandel noch durch ganz andere Maßregeln behindert: die 
Territorialfürsten bemächtigten sich des Stapelrechts und 
anderer Formen einer längst veralteten mittelalterlichen 
Handelspolitik und benutzten sie zu kommerziellem Kampfe 
untereinander. Indem sie dann außerdem die Mittel des 
langsam aufkommenden Merkantilismus zur wirtschaftlichen 
Verselbständigung ihrer Territorien anwandten, ergab sich ein 
wunderliches Gemisch von Maßregeln, die sich doch alle zu 
dem einen Ende verbanden: den Territorien und besonders 
auch den großen Landstädten derselben die kommerzielle Über— 
nacht über die Nachbarn und besonders über die benachbarten 
Reichsstädte zu sichern. 
Es war eine Entwicklung, die in der Tat vor allem die 
ailten Reichsstädte tödlich traf. Denn deren Politik hatte bis⸗
	        
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