Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 97 
her eben darauf beruht, sich kommerzielle Vorteile über ihre 
ngere und weitere Umgebung zu sichern, auch wenn sie diese 
Umgebung nicht politisch beherrschten — fast alle hatten ja 
aur ganz kleine Gebiete —: und das war ihnen gelungen 
durch Privilegien des Kaisers und eine Anbahnung gegenseitiger, 
ein geschlossenes System gemeinsamer Vorteile herbeiführender 
kommerzieller Zugeständnisse. Diese Politik versagte jetzt. Ihre 
Mittel wurden von den Territorien zugunsten der Landstädte 
ingewandt; und ihre Durchführung in diesem Sinne wurde 
durch die politische Beherrschung der in Betracht kommenden 
kommerziellen Räume seitens der Fürsten gesichert. Das war der 
Punkt, wo die Reichsstädte, gebietslos, sterblich waren: sie unter— 
lagen. Wie es Möser einmal ausgedrückt hat, „die Landeshoheit 
der Fürsten stritt gegen die Handlung; eine von beiden mußte 
unterliegen, und der Untergang der letzteren bezeichnet den Auf⸗ 
zang der ersteren. Wäre das Los umgekehrt gefallen, so hätten 
wir jetzt zu Regensburg ein unbedeutendes Oberhaus, und die 
verbundenen Städte und Gemeinden würden in einem ver— 
einigten Körper die Gesetze handhaben, welche ihre Vorfahren, 
mitten im heftigsten Kampfe gegen die Territorialhoheit, der 
ibrigen Welt auferlegten. Nicht ein Lord Clive, sondern ein 
Ratsherr von Hamburg würde am Ganges Befehle erteilen“. 
Nun hätte man gegen diese Entwicklung das Reich aus— 
spielen, die territoriale Gegenwirkung durch eine große natio⸗— 
aale Wirtschaftspolitik übertrumpfen können. Allein bei der 
Ohnmacht des Reiches ist an diese Möglichkeit selbst in den 
Städten kaum noch gedacht worden. Gewiß hat sich das Reich 
noch im 16. Jahrhundert in handelspolitischen Versuchen er— 
gangen; indes sie waren entweder von den Kaisern in fiska⸗ 
lischem Interesse unternommen und scheiterten dann am Wider⸗ 
spruche der Stände, oder sie wurden von den Ständen ein— 
geleitet und stießen dann mindestens unter Max J. und Karl V. 
auf Gleichgültigkeit oder unfreundliche Behandlung seitens der 
Katser. Unter Ferdinand J. besserte sich dann allerdings die 
Lage: aber nun ergab sich die Reichsmaschinerie schon als für 
Jandelspolitische Aktionen überhaupt nicht mehr brauchbar. Den 
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 1.
	        
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