Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
sich mit der Konzentration der Arbeiter in ein Haus, die zu— 
nächst genauere und besser beaufsichtigte Erzeugung ermöglichte, 
auch die Beschaffung einer allen Arbeitern zur Verfügung 
stehenden Arbeitskraft eines Motors verband, mochte dieser 
nun auf die Verwendung einer Wasser- oder Luftkraft oöder 
einer Dampfkraft zurückgehen. Insbesondere ist die Fabrik als 
sogenannte Dampffabrik entwicklungsgeschichtlich von anderen 
Formen der Fabrik zunächst nicht geschieden; sie bedeutet 
grundsätzlich nur die quantitativ überaus erweiterte Anwendung 
einer schon gegebenen Betriebsform. 
Von den verschiedenen Arten der Manufaktur hatten sich 
nun in dem Deutschland des 14. und 15. Jahrhunderts bereits 
die ursprünglichsten Formen eingefunden. Sie gehörten im 
wesentlichen den Webeindustrien an; daneben kamen vielleicht 
schon Anfänge der Kleineisenmanufaktur in Betracht. 
Im ganzen entfalteten sich diese ältesten Formen in jener 
Zeit und zumeist auch noch im 16. Jahrhundert aus der 
industriellen Betriebsform des eigentlichen Mittelalters, der 
Zunft. Dabei war eine große Anzahl verschiedener Entwicklungs⸗ 
möglichkeiten denkbar; die gewöhnlichsten Wege aber waren 
etwa die folgenden: 
Innerhalb einer Zunft, deren Mitglieder ursprünglich 
gleichberechtigte und wirtschaftlich auch so viel wie möglich 
gleichgestellte Meister waren, sanken zunächst einzelne Meister 
in ihrem Vermögen tiefer, während andere reicher wurden. 
Dann konnten die ärmeren Meister von den reicheren Arbeit 
nehmen, während die reicheren sich vornehmlich darauf legten, 
diese Arbeit, wie vielleicht auch noch die eigene, anfangs mehr 
auf näher gelegenen Märkten, später auch in weitere Fernen 
zu vertreiben. Unter diesen Umständen zerfiel dann die Zunft 
langsam in ärmere Lohnarbeiter, sogenannte Hausindustrielle, 
und reichere Unternehmer, konnte aber trotzdem als Ganzes 
fortwähren. 
In einem zweiten Falle zog sich dagegen die Zunft bei 
fortgeschrittener Arbeitsteilung zur Herstellung der ihr nötigen 
Halbfabrikate, wie sonstigen Vor- oder Nebenarbeiten haus—
	        
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