Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
meistens zur Zusammenfassung zerstreut lebender Meister 
namentlich solcher Gewerbe, die nebenbei etwas vom Wesen 
des Hausierens hatten: der Kessel- und Kaltschmiede, der Kupfer⸗ 
schmiede, der Hafner, der Bader, der Pfeifer und Spieler. 
Aber daneben und darnach wurden auch große und angesehene 
Zünfte anderer Art, Messerschmiede, Schlosser, Steinmetzen, 
Tuchmacher, regional zusammengefaßt. In diesem Falle wurden 
die wichtigsten Zünfte an Orten, wo das Handwerk besonders 
gut betrieben wurde, zu Mittelpunkten der Organisation; sie 
erhielten den Charakter einer Art wirtschaftlichen und sozialen 
Oberhofs, von dem aus sich gleichmäßige Lehre und gleich— 
mäßiger Brauch des Handwerks verbreiteten. 
Vor allem aber kam es jetzt darauf an, in welcher Weise 
sich diese neuen Organisationen in die bestehenden staatlichen 
Verhältnisse einordnen sollten. Und hier wurde nun die Ein— 
— 
in Württemberg: und auch hier schließlich erfolglos; das 
Problem einer staatlichen Regulierung des Gewerbewesens auf 
umgebildeter zünftlerischer Grundlage ward also nicht gelöst. 
So war denn das Regelmäßige vielmehr eine ganz lose 
und freie Eingliederung in territoriale Grenzen ohne starken 
Einfluß der Staatsgewalt; in dieser Weise sind nicht wenige 
Zunftvereine in Süddeutschland, in Norddeutschland z. B. die 
Kupferschmiede der Kurmark, organisiert gewesen. Darüber 
hinaus aber nahmen gerade besonders wichtige Gruppen ver⸗ 
einter Zunfte eine noch viel freiere Stellung ein: so nament⸗— 
lich der Steinmetzenverband, der sich mindestens seit der Ver— 
fassung, die er sich im Jahre 1459 zu Regensburg gegeben 
hatte, über ganz Deutschland erstreckte und sich wichtiger 
kaiserlicher Privilegien, so aus den Jahren 1498 und 1621, 
erfreute; seine Hauptladen waren zu Straßburg, Bern (Zurich), 
Regensburg, Wien und Magdeburg, als oberste Instanz 
funktionierte die Straßburger Lade. Aber auch die sächsischen 
Schlosser und die oberrheinischen Hosenstricker und Schwarz—⸗ 
färber sind ähnlich organisiert gewesen. 
So war denn das zünftige Handwerk für Meister wie
	        
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