Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 133 
die noch stark unter dem Einflusse der Ebbe und Flut stehen 
und damit den Zugang auch tiefgehender Schiffe weit in das 
Herz des Landes hinein gestatten. Von diesen beiden Astuarien 
aber ist das der Elbe weitaus das günstigere. Nicht minder 
aber ist auch das Hinterland der Elbe und Hamburgs weit 
günstiger als das Bremens, denn da sich die norddeutsche 
Tiefebene nach Osten hin beträchtlich erweitert, so übertrifft 
es schon im engsten Ausmasse des Elbgebietes an Größe bei 
weitem dasjenige Bremens. 
Und noch mehr: auch den Ostseestädten, insbesondere 
Lübeck, nimmt Hamburg eigentlich einen guten Teil ihres 
Hinterlandes weg. Denn da in vorgeschichtlicher Zeit alle 
größeren Flußläufe eines guten Teiles der mittleren nordost⸗ 
deutschen Tiefebene sich auf dem Wege etwa des heutigen 
unteren Havellaufes in das Astuarium der Niederelbe ergossen, 
so ist auch jetzt noch der Zugang von diesen Gebieten her 
nach Hamburg sehr günstig, und insbesondere ist Hamburg 
bis zu einem gewissen Grade der Seehafen Berlins und der 
Mark Brandenburg. Nimmt man nun zu alledem noch hinzu, 
daß das weitere Elbgebiet bis hinauf nach Böhmen und 
darüber hinaus in die ferne Welt von Mähren und Wien, ja 
in heute wenigstens teilweise erfolgreichem Wettbewerb bis 
Budapest führt: so wird man zu dem Schlusse gelangen, daß 
Hamburg an der für großen Handel vielleicht aünstigsten Stelle 
Deutschlands gelegen ist. 
Hamburg begann nun, nach mäßigen mittelalterlichen 
Anfängen, im 16. Jahrhundert dadurch emporzukommen, daß 
es, als nach der Verlegung des Welthandels an die West—⸗ 
ränder Europas die Nordseeküste größere Bedeutung erhielt, 
zunächst wenigstens teilweise die Erbschaft der Ostseehäfen an⸗ 
trat. Der Verkehr war aber auch jetzt noch zunächst schwach, 
er beschränkte sich im wesentlichen auf die Ausfuhr von Roh⸗ 
brodukten und Leinwand, und zum eigentlichen Geldhandels— 
platz wurde die Stadt noch nicht, obwohl sie im Jahre 1558 
bereits, vier Jahre nach Antwerpen, eine Börse erhielt, während 
Lübeck erst 1605, Bremen erst 1614 Börsenplätze geworden
	        
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