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Zweiundzwanzigstes Buch.
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deutschen Handels im weitesten Sinne gelten.
Nun versteht es sich von selbst, daß an all den genannten
mitteldeutschen Handelsstraßen ein neues bürgerliches Leben
emporzukommen begann — so sind spätestens seit dem 18. Jahr—
hundert z. B. Eisenach, Erfurt, Chemnitz, Zittau, Bautzen,
Görlitz rasch wachsende Städte gewesen — und wie besonders
die großen Kreuzungs- und Endpunkte aufblühten, allen voran
Leipzig, in zweiter Linie auch Frankfurt und Breslau. Dabei
machte sich aber zugleich der alte Unterschied unserer Kultur⸗
intensität von Westen nach Osten zu geltend; am frühesten ge⸗—
wann Frankfurt, dann blühte auch Leipzig empor; Breslau
endlich hat neben einem reichen Dasein schon im 18. bis
17. Jahrhundert, als dessen sublimiertestes Ergebnis die
schlesischen Dichterschulen des 17. Jahrhunderts erscheinen, den
materiellen Hauptaufschwung doch erst im 18. Jahrhundert,
in Verbindung mit einer anderen Kombination erlebt, in der
Berlin zum erstenmal eine größere Rolle spielte, und von der
später die Rede sein wird.
Für Frankfurt kommen aber außer den geschilderten Be—
ziehungen auch noch, wenn nicht gar überwiegend, die rheinischen
Verkehrszusammenhänge in Betracht. Und hier zeigte noch die
erste Hälfte des 16. Jahrhunderts ein beinahe völlig ungetrübtes
Bild. Zwar war Frankfurt damals noch kein Kapitalmarkt;
aur gelegentlich diente es den großen oberdeutschen Geldfürsten
als solcher, und noch 1577 bezeugen die Fugger, Frankfurt sei
ein Platz, „allda man wenig mit Bargeld, sondern meist mit
Waren handelt“. Um so gesunder aber entwickelte sich der
Warenhandel während der Blütezeit der südlichen Niederlande,
gehoben auch durch die Einwanderung nicht unbedeutender
Kapitalien mit den Refugianten, denen Familien wie die
Deneufville, Gogel, Gontard, de Bary, du Fay, Leerse, Passa—
vant, Sarrasin angehörten. Die Waren kamen dabei den
Rhein herauf und gingen dann weiter das Werratal hinauf
ins Hessische und nach Mitteldeutschland, ferner den Main
hinauf nach Nurnberg, auch wohl mit Benutzung des Neckar—