Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 149 
das Gewürzmonopol erzwungen und selbständige Verbindungen 
mit Konstantinopel und der Levante gewonnen hatten. Und 
sie blieben während des 17. und 18. Jahrhunderts übermächtig: 
jetzt vornehmlich infolge des politischen Schicksals der Rhein— 
mündungen. In dieser Hinsicht mußte bekanntlich Spanien 
im Westfälischen Frieden das Zugeständnis machen, daß die 
Schelde fur den Handel auf immer gesperrt bleiben sollte. 
Es war eine Fesselung, die durch den Barrieretraktat des 
Jahres 1715 noch verstärkt wurde und durch das ganze 
18. Jahrhundert hin erhalten blieb. Damit wurden die süd⸗ 
lichen Niederlande unter der österreichischen Herrschaft so gut 
wie verkehrslos, bis in den Jahren 1792-94 infolge der 
französischen Eroberung durch ffnung der Scheldemündung 
wieder die Möglichkeit des Handels, noch nicht aber dieser 
selbst gegeben war. Die Vorteile dieser Entwicklung aber und 
damit namentlich ein natürliches Monopol auf den westdeutschen 
Zandel hatte auf fast zwei Jahrhunderte Holland. — 
Ein freundlicheres Schicksal, das Glück, bis fast zum Aus⸗ 
Jange des 18. Jahrhunderts nicht bloß absolut, sondern auch 
relaliv, im Verhältnis zu anderen deutschen Handelsplätzen, 
zu wachsen, traf Leipzig!. 
Leipzig war, sobald das System der großen Straßenzüge 
Mitteldeutschlands ins Leben trat, das gegebene Zentrum 
nindestens des mitteldeutschen Verkehres geworden. Ja noch 
nehr: auf Linien, welche man von der Rheinmündung nach 
Breslau, von Hamburg nach Wien, von Danzig nach Straßburg 
ziehen mochte, und auf dem kürzesten Wege zwischen Schlesien 
ind Westfalen, sowie Berlin und der Odermündung einerseits 
und Nürnberg und dem Bodensee anderseits gelegen, wies es im 
17. und 18. Jahrhundert alle Fähigkeiten auf, der kommerzielle 
Mittelpunkt Deutschlands überhaupt zu werden. Es war eine 
Gunst der Lage, die von einem so klugen Fürsten, wie Kur— 
fürst Moritz von Sachsen, schon im 16. Jahrhundert erkannt 
worden war; er hat die Absicht gehabt, Leipzig zu seiner 
Vgal. zum folgenden Bd. VII, 301 ff.
	        
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