156
Zweiundzwanzigstes Buch.
Schleierhändler! Hirschbergs im Jahre 1658 zu einer Innung
zusammenschlossen. In Landeshut ist dann im Jahre 1677 eine
ähnliche Innung begründet worden. Die Folge war eine
steigende Blüte der Manufaktur bis zur Eroberung Schlesiens
durch Friedrich den Großen. Noch klarer fast liegt aber dieser
Entwicklungsgang in der Solinger Industrie vor. In ihr
sonderte sich Ende des 17. Jahrhunderts, trotz versuchter Gegen—
wirkung der Düsseldorfer Regierung (1687), eine handelnde
Klasse von der arbeitenden ab und begründete einen „besonderen
und vornehmeren Teil der Fabrik unter dem Namen von privi⸗
legierter Kaufmannschaft“.
Und ähnlich, nur später, verliefen die Dinge auch in der
Uhrenindustrie des Schwarzwaldes, in der sich die Uhren⸗
vertreiber im Jahre 1771 in der Zahl von etwa einem halben
Hundert zu einer kartellartig geschlossenen Kompagnie zusammen⸗
taten, sowie in der Achatindustrie des Idartals, wo die Gold⸗
schmiede, welche die Steine faßten, um 1780 zu Verlegern ge⸗
worden sind.
Indes begann sich neben diesen ihrer Bildung nach viel⸗
leicht ursprünglichsten aller Hausindustrien, die gerade jetzt,
in der Verfallszeit der städtischen Kultur, aus der ländlichen
Zurückgezogenheit emportauchten, in der sie groß geworden
waren, doch auch die Hausindustrie der Städter wieder zu regen.
Denn noch war nicht alles Kapital in dem Strudel der sinkenden
Volkswirtschaft des 16. Jahrhunderts und der Kriegswirren
des 17. Jahrhunderts zugrunde gegangen; ja hier und da hatte
sogar Zufall und Raub, Zusammensterben großer Geschlechter
und Anteil an kriegerischen Soldunternehmungen zur Bildung
neuer großer Vermögen geführt. Und seit Beendigung des
großen Krieges begann von neuem eine intensivere Kapital-—
bildung, in deren Verlauf französische und sonst wälsche Re—
fugianten wie wohlhabende Angehörige des deutschen platten
Landes, die in die Städte zogen, keine geringe Rolle spielten.
Wie nun diese wachsenden Vermögen anlegen? Nur das Ver—
Schleier — feinere Leinwand.