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Zweiundzwanzigstes Buch.
das Land bot nach manchen anderen Richtungen überaus
günstige Aussichten in der zentralen Lage der Mark und der
Nähe des Meeres; und der Aufschwung Berlins im 18. Jahr—
hundert bezeugte bald, wie sie genutzt wurden.
6. Seit der zweiten Hälfte, vor allem aber seit der
Wende des 17. Jahrhunderts nahmen die wirtschaftlichen Ver—
hältnisse wieder einen anfangs leisen, dann wenigstens stärker
betonten Aufschwung. Insbesondere gilt das von den Städten,
dank der sich erholenden deutschen Einwohnerschaft, den Re—
fugiées und der Verkehrspolitik der Territorien. Eins der
beharrlichsten und wohl auch sehr frühen Anzeichen dieser
Wandlung war der immer wiederholt geäußerte Eindruck, wie
weit man doch eigentlich zurückgekommen sei, wenn man
gegenüber den jungen Regungen des Neuen die noch in die
Gegenwart hinein ragenden Reste verfallener Institutionen des
Mittelalters ansähe, und der Drang, vor allem in diesem
Zusammenhange und zugleich in der Richtung der Umbildung
solcher älteren Institutionen im Sinne moderner Bedürfnisse
zu bessern.
Nun waren diese Institutionen der Hauptsache nach, wie
wir wissen, doppelter Art: es waren die älteren, noch durchaus
der mittelalterlichen Stadtentwicklung entstammenden Zuünfte,
und es waren die erst später aufgekommenen Manufakturen.
Von ihnen waren die Manufakturen, in reiferen Zeiten des
Handels erzeugt, auf quantitative Arbeit und gleichmäßige
Erzeugung gerichtet, kapitalistische Unternehmungen, die sich
alsbald fortbildungsfähig zeigten, sobald Handel und Kapital—
bildung wuchsen. Und auch die Tatsache des Fortbestandes
der alten Zunftverfassung an sich widersprach ihrer weiteren
Entfaltung im 17. und 18. Jahrhundert noch nicht, da sie
mit ihrer Erzeugung meist in die Lücken der Zunftproduktion
eingeschoben wurden, mithin diese mehr ergänzten als an—
griffen.
Etwas anders stand es mit den Zünften. Diese, ur—⸗
sprünglich nur für einen mehr oder minder geschlossenen