Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 173
Nun ließ sich freilich diese äußerlich noch zünftige Organi⸗—
sation einer grundsätzlich schon modernen Unternehmungsform
nirgends leicht aufrecht erhalten, wie sie denn auch in den
freientstandenen Manufakturen des platten Landes zum Teil
gar nicht mehr auftrat; überall strebten im Grunde Arbeiter und
Verleger bereits auseinander. Es war nicht anders möglich: auf
der einen Seite standen Leute, die die Welt kannten, zahlungs⸗
fähig, Absatz besorgend, Kredit gebend, zugänglich für technische
Fortfchritte, höher gebildet, geistig beweglich: — auf der anderen
Seite handelte es sich um kleine Meister, Kleinbürger und
Bauern, Gebirgsleute, Weiber, Kinder, vielfach in Neben⸗
beschäftigung arbeitend, von beschränktem Horizont, ohne
Kapital, ohne technische Ausstattung, ohne Sinn für Organi⸗
sation, ohne Kenntnis der Mode und der Absatzwege: um
einen geistig noch ungewandten Teil der Bevölkerung.
Indes auch wo sich Verleger und Arbeiter trennten, er—
gab fich doch zumeist nicht schon ein rein kapitalistisch-subjekti⸗
bisches Verhältnis der beiden Gruppen zu einander. Vielmehr
traten sie sich zunächst nur wiederum in gesonderten zunftmäßig
— Gegenüber⸗
stellung entwickelte sich vielfach auch da, wo die Manufaktur
nicht aus einer unmittelbaren Weiterbildung der Zunftverfassung
hervorgegangen war. Vor allem die Verleger einigten sich auf
diese Weise gern korporativ: zur Regelung des eigenen Wett⸗
bewerbs in gemeinsamer Festsetzung der Verkaufspreise und der
Höhe der Erzeugung, zur Auffindung von Erprobungsweisen
der Markteigenschaften der Waren u. dgl. m.
Allein auch dies Stadium der Entwicklung währte nicht
lange; war an Stelle einer ersten Entwicklungsstufe, auf der
ein korporatives Band, ein genossenschaftlicher Zusammenhang
noch Arbeiter und Verleger beherrscht hatte, zunächst eine zweite
getreten, die sich einer elliptischen Bildung mit zwei Brenn—
punkten vergleichen ließ, so strebten nun die einzelnen In—
dividuen aus der doppelten Körperschaftsbildung auch jedes
für sich hervor; die Verleger streiften die korporative Fessel
ab und suchten auch die zunftmäßige Bindung der Arbeiter,