Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums. 177
An zweiter Stelle wird die Technik gesichert; es erfolgen
ins einzelnste gehende Anweisungen für die Erzeugung, der
Rohstoff wird nach Qualität und Quantität vorgeschrieben;
die Güte des Erzeugnisses durch bestimmte Zeichen und be—
stimmte Namen gewährleistet. Endlich wird eine Reihe rein
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Zahlung in schlechtem Gelde, der ungerechtfertigten Lohn—
abzüge sowie jeglicher Form von Auswucherung und Lohn—
kreditlierung; Entwicklung von ständigen Organen zur Regulie—
rung der Höhe des Lohnes und des Preises der vom Verleger
dem Heimarbeiter gelieferten Rohstoffe.
Drittens ist es die Absicht, den Wettbewerb unter Ver—
legern wie Heimarbeitern zu regeln. Die Heimarbeiter sollen
nur für den Verleger, nicht für den Markt produzieren, und
namentlich das Hausieren wird ihnen verboten; dem Verleger
aber werden durch Taxen und andere Maßregeln Schleuder⸗
konkurrenzen unmöglich gemacht.
Man sieht, wie diese Reglementierung, wenn auch in
vielen Punkten schon durchaus modern, doch im ganzen zwischen
dem, was heute als der Gegenwart nützlich betrachtet wird,
und den Anforderungen fruherer Zeiten, vielleicht mit einem
Ausschlage zugunsten der Gegenwart, noch ungefähr die Mitte
hält. Noch wird von der Obrigkeit beträchtlich auf die Qualität
der Ware gesehen; noch ist der Gedanke, daß eine Erleichterung
des Absatzes um jeden Preis notwendig sei, nicht voll ent—⸗
wickelt; wir hören wenig von seiner Verwirklichung durch Zu—
lassung einer freieren Stellung der Verleger, durch unmittelbar
mit den Manufakturen in Verbindung gesetzte stetige Maß⸗
nahmen der Zoll- und Verkehrspolitik. Freilich gab es auf
diesem Gebiete Schattierungen innerhalb der Maßnahmen der
einzelnen Staaten; die sächsische und fränkische Politik nähert
sich mehr den modernen, die preußische mehr den mittelalter—
lichen und den Gedanken noch des 16. und teilweise 17. Jahr⸗
hunderts. Indes neben der Absicht, die Qualität der Ware
zu sichern, läuft doch schon überall die Auffassung her, es
komme für die meisten Industrien vor allem darauf an, mehr
Lamprecht, Deutsche Geschichte. VIII. 1. 12