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Zweiundzwanzigstes Buch.
berg die Menge der Personen, die Besoldung erhielt, schon
gegen Ende des 16. Jahrhunderts etwa ein Viertel aller
Steuerzahler aus, und für Leipzig versichert man gegen Schluß
der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts, die Zahl der Sub—
alternen sei beträchtlich, und alle Geschäfte würden noch gut
besorgt werden können, wenn das Korps der Schreiber um
ein Dritteil verringert würde. Nicht minder zahlreich aber
waren die Gelehrten; in der zweiten Hälfte des 18. Jahr—
hunderts kam es geradezu zu einer Überfüllung dieses Standes,
insbesondere des theologischen Berufes, und Basedow klagte in
seinem Methodenbuch, die Menge untüchtiger und besonders
armer Gelehrter sei eines der größten Hindernisse der öffent—
lichen Glückseligkeit. Freilich: würde ohne diese Überfüllung
das geistige Leben der Zeit den Umschwung sondergleichen ge—
nommen haben, den wir kennen lernen werden? Vor allem
das evangelische Pfarr- und Schulhaus ist an diesem Auf—⸗
schwunge in hohem Grade beteiligt gewesen: und man kann in
gewissem Sinne keinen Zufall darin sehen, daß in Klopstock
der Sohn eines Pfarrers bei seinem Abschied aus einer pro⸗
testantischen Klosterschule den Plan jenes Gedichtes entwickelte,
das den Anfang der klassischen Literatur des Subiektivismus
bezeichnet hat.
Die an Zahl aber immerhin weit überwiegenden wirt—
schaftlichen Klassen des Mittelstandes fanden sich wenigstens
in größeren Städten mit diesen Elementen leicht zusammen.
Mochten ihre Angehörigen auch nicht stets, gleich Hans Sachs
seligen Gedächtnisses, eine Lateinschule besucht und das
Ouadrivium durchgemacht haben: immer standen sie doch ge—
lehrten Studien nicht ganz fern, und die Gleichheit der äußeren
Lebenshaltung tat ein übriges, sie dem mittleren Beamten- und
Gelehrtentum zu verbinden.
Mit diesen Kreisen fühlten aber auch gewisse, an Indivi—
duen nicht eben zahlreiche Gruppen der kleinen Städte. Denn
gewiß waren diese Städte der Hauptsache nach noch wesentlich
agrarischen Charakters: der Ackerbürger herrschte in ihnen,
der Handel war der Hauptsache nach Kleinhandel, der Hand—