Neue Gesellschaft, neues Seelenleben.
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Zusammenhang sieht er zwischen sich wandelndem Seelenleben
uind sich wandelnder Form der Wirtschaft.
Es ist kein Zweifel, daß er damit richtig beobachtet hat.
So wenig hoch die Wogen der ersten Periode des Unter—
nehmertums gegangen sind, so selten auf ihren Bergen jene
weißen Schaumkämme erscheinen, die selbst dem oberflächlichsten
Zuschauer das Phänomen der Bewegung bezeugen: so kräftig
war doch der ihnen zugrunde liegende Anstoß und um so
nachhaltiger ihr Anprall und ihre Wirkung. Denn nicht die⸗
jenigen Bewegungen des Wassers, die am sichtbarsten sind,
bezeichnen zugleich immer seine gewaltigste Kraft: in den tiefen
Wassern des Stillen Ozeans z. B. verläuft die Woge flach,
und erst wo sie Widerstand findet, zeigt sich die ungeheuere
Wucht ihrer Bewegung in aufloderndem Zerstäuben.
Der Kulturgeschichte der Gegenwart ist es weniger schwer,
als den Zeiten Kants, die Wirkungen eines neuen Wirtschafts⸗
lebens auf das Seelenleben der Hauptsache nach zu analysieren,
selbst wenn sie im 18. Jahrhundert weit langsamer wirkend auf⸗
traten als zu jüngeren Zeiten, in der zweiten Periode des
Wirtschaftslebens der Unternehmung.
Zunächst führte ein freierer Verkehr jedem Bedürfnisse
das entsprechende Gut und jedes Gut dem entsprechenden
Bedurfnisse weit sicherer, rascher und aus größerer Ferne zu.
Es war ein Vorgang, in dessen auf Wechselwirkungen be⸗
ruhendem Verlaufe sich die Zahl der Bedürfnisse wie die Höhe
des Verkehrs und der Produktion beständig steigerte. Damit
wurde die produktive Arbeit wie der Handel der Schranken
immer mehr ledig, die lokale Nachfrage und begrenzter Bedarf
gezogen hatten: neben das Ideal der Qualität trat für sie,
— —— möglichst quantitativer
Erzeugung und quantitativen Vertriebes.
Es war ein Vorgang, der an sich schon die Spannung
zwischen Bedurfnis und Bedürfnisbefriedigung immer mehr
vergrößerte und darum eine immer höhere Steigerung der
Verstaudes⸗ und Willenskräfte zu deren Überbrückung hervor⸗
rief. Außerdem aber lief er, beim Aufsuchen immer ent—