Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
auch noch die Zahl der Personen war, die ihm in der zweiten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts angehörten!, eine noch höhere 
Bedeutung: sie beweist, daß das gebildete Publikum der Mäcen 
des deutschen Geisteslebens zu werden begann, sie zeigt den 
tiefen Einfluß der Bildung auf die Anfänge des ausgeprägteren 
Subjektivismus. 
Und waren sie denn mit diesen sozialen Beziehungen er— 
schöpft, in denen sie nur besonders deutlich hervortraten? Wer 
wollte es annehmen. Indem die geistig vorwärts drängenden 
Schichten der Nation sich mehrere Menschenalter hindurch 
immer und immer stärker mit all dem Neuen, das Wissenschaft 
und Weltanschauung, Denken und Dichten boten, von Grund 
aus erfüllten, unterlagen sie der Zuführung ganz außer— 
ordentlicher Mengen neuer Reize: und wurden eben durch diese 
Zufuhr, die das ganze Seelenleben umbildete, nicht minder 
wie durch die Reizauslösungen des neuen Wirtschaftslebens 
voran gedrängt, hinein in die seelischen Zustände eines neuen 
Zeitalters. 
So darf man es sagen: neue Bildung und neues Wirt— 
schaftsleben gemeinsam sind die sozialen und seelischen Voraus⸗ 
setzungen für den Eintritt jener ersten Periode des Sub— 
jektivismus gewesen, die seit etwa der Mitte des 18. Jahr— 
hunderts begann. Und nicht wenige Stellen hat es gegeben, 
in denen die beiden so verschiedenartigen Einflüsse, die nur in 
der gemeinsamen Auswirkungsform der neuen Reize zusammen— 
trafen, sich unmittelbar gegenseitig berüuhrten. So kann es 
z. B. keinem Zweifel unterliegen, daß die Reizmassen, die aus 
Schiller schreibt noch 1790: „Zugleich die strengen Forderungen 
der Kunst zu befriedigen und seinem schriftstellerischen Fleiß auch nur die 
notwendige Unterstützung zu verschaffen, ist in unserer deutschen litera⸗ 
rischen Welt ... unvereinbar.“ Und Athenäum 12 S.7 heißt es: „Bei 
uns galt man ehedem weniger als nichts, wenn man bloß Schriftsteller 
war. Noch jetzt regt sich dies Vorurteil hier und da, aber die Gewalt 
verehrter Beispiele muß es immer mehr lähmen. Die Schriftstellerei ist, 
je nachdem sie treibt, eine Infamie, eine Ausschweifung, eine Tagelöhnerei, 
ein Handwerk, eine Kunst, eine Wissenschaft, eine Tugend.“
	        
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