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Zweiundzwanzigstes Buch.
die Bürgerlichen namentlich in der höheren Beamtenwelt eher
zu⸗ als abnahmen. So nahm z. B. in Preußen Friedrich der
Große im Gegensatze zu seinem Vater die höheren Beamten
fast nur aus dem Adel, und nur zu den Kabinettsräten, mit
denen er täglich arbeitete, erschienen ihm Bürgerliche eher
tauglich; und nicht minder herrschte in der österreichischen
Beamtenschaft der Adel. Was aber gar die kleineren Staaten
betrifft, in denen die Person des Fürsten mehr mit der breiten
Verwaltung in Berührung kam, so waren erst recht Adlige
erwünscht: in Bayern pflegte selbst Max Joseph, wenn
ihm ein Bürgerlicher zu einer bedeutenderen Stelle vor—
geschlagen wurde, auszurufen: „Muß es denn so ein Aben⸗
leurer sein?“ Die Bürgerlichen aber selbst der mehr unter⸗
geordneten Laufbahn waren Routiniers, die, wenn der Vater
Rat gewesen war, wieder in die Ratsstube, wenn Sekretär,
wieder in das Sekretariat, wenn Richter, wieder in den
gleichen Gerichtsdienst eintraten: wie hätte man bei ihnen
anderes als einen schnöden Standeshochmut gegenüber den
ringenden Kräften einer neuen Zeit erwarten sollen? Es gab
herrliche und glänzende Ausnahmen wie Möser oder Abbt,
und schließlich sind Herder und Goethe Beamte gewesen: im
ganzen sah selbst der Advokatenstand auf Bildung und Buürger
herab.
Dabei war diese Haltung doch schon innerlich hohl. Stark
war von jeher unter Deutschen die Achtung vor dem Idealisten,
dem Dichter, dem Denker, ja dem Mann der Feder überhaupt;
mögen unsere Volkslieder nun von dem „stolzen schriber“
rühmend melden oder mag eine hochgeborene Frau, wie die
Kurfürstin Anna von Brandenburg, ihre Anerkennung hinter
den Worten „lausigter Tintenfresser“ bergen. Wie hätte da
ein Stand der Kopfarbeiter, wie das höhere Beamtentum ins—
besondere, den geistigen Wandlungen der zweiten Hälfte des
18. Jahrhunderts auf die Dauer fern bleiben sollen. Ihre
Wogen und Wellen durften nur bis in das politische und
administrative Gebiet überschlagen, wie das gegen Schluß
des Zahrhunderts immer mehr geschah, und die Stunde der