Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Gesellschaft, neues Seelenleben. 255 
auch in der größten Heftigkeit zu widerstehen. Wäre einer so 
unglücklich, daß dies nicht sogleich den perlangten Eindruck auf 
ihn macht, so muß er zur Strafe die hörnerne Dose mit einer 
anderen vertauschen, bis er sie durch eine besonders gutherzige 
oder sanftmütige Tat sich wieder erwirbt. Unsere Damen, die 
keinen Tabak brauchen, müssen wenigstens auf ihrem Nacht— 
tische eine solche Dose stehen haben, denn ihnen gehören in 
einem höheren Grade die sanften Empfindungen, die wir aus 
ihren Blicken, aus ihren Tönen, aus ihren Urteilen schöpfen 
sollen. Nicht genug war es uns, diese Verabredung in einem 
kleinen Zirkel genommen zu haben; wir wünschten auch, daß 
auswärtige Freunde sich uns darin gleichstellten. An einige 
schickten wir das Geschenk, die Lorenzdose, ... als ein uns 
heiliges Ordenszeichen. Anderen soll dieser gedruckte Brief 
unsere Gedanken mitteilen.“ Dieser Brief wurde die Stiftungs— 
urkunde eines Lorenzoordens, dessen Symbol die Dose, dessen 
Wahlspruch: auswendig Mönch, inwendig Yorick! war. Jacobi 
gelobte sich, an fremden Orten jeden ihm aufstoßenden Un— 
bekannten mit der Dose sofort als Bruder zu umarmen. In 
Hamburg und Frankfurt a. M. wurden Lorenzodosen in Fülle 
gefertigt; sie wurden Gegenstand kaufmännischen Vertriebes 
und gingen bis Dänemark und Livland. Schließlich verbreitete 
sich die Dosenverbrüderung bis nach Italien und Sizilien und 
verschwisterte sich hier mit theosophischen Schwärmereien. — 
Nicht immer natürlich sind die fremden Einwirkungen gleich 
sichtbar — wir müssen freilich auch sagen: gleich unbedeutend. 
Eben da, wo sie stärker mitspielen, vermischen sie sich auch ein— 
gehender mit dem schlechthin Einheimischen der Entwicklung, 
so daß sie nur mit diesem vereint zur Darstellung gelangen 
können. Und da zeigt sich denn, daß, so original auch die 
primitiven Wirkungen heimischer Reizvorgänge auf das Seelen— 
leben in Gefühl und Empfindung waren, doch schon der Aus— 
prägung dieser neuen Gefühlsaktualität in der Anschauung und 
selbst im Willen fremde Zusätze, wenn auch mit geringer 
spezifischer Wirkung, beiwohnten. 
Inwieweit das auf dem Gebiete der Anschauung der Fall
	        
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