Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Werd' uns auch Despréaux! 
Daß, wenn sie etwa zu uns vom Himmel kömmt, 
Die goldne Zeit, der Musen Hügel 
Leer von undicht'rischem Pöbel da steh'! 
Und nicht in einem Zurück zur alten Dichtung, nein, nur 
im starken inneren, sich selbst bindenden Fortschritte zur grund⸗ 
sätzlichen ästhetischen Beleuchtung des neuen Naturalismus war 
die goldene Zeit zu finden. Es ist der Zusammenhang der 
Dinge, der von unseren großen Dichtern der zweiten Hälfte 
des 18. Jahrhunderts erst instinktiv empfunden, dann klar be— 
griffen und im Erringen einer neuen ästhetischen Dominante 
des Subjektivismus erst völlig und in allen seinen Fällen ver— 
wirklicht wurde. Wie ernst stand es von allen zuerst Goethe 
hor der Seele: 
Vergebens werden ungebundne Geister 
Nach der Vollendung reiner Höhe streben. 
Wer Großes will, muß sich zusammenraffen. 
In der Beschränkung erst zeigt sich der Meister, 
Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben. 
Und wie entschieden hat der Dichterfürst, der höchste Leiter 
zu einer klassischen Bindung des subjektivistischen Naturalismus, 
später verurteilt, was auf diesem Wege hinderlich sein konnte 
oder hinderlich gewesen war. „Alles, was unseren Geist be⸗ 
freit, ohne uns die Herrschaft über uns selbst zu geben, ist 
verderblich.“ „Charakter im großen und kleinen ist, daß der 
Mensch demijenigen eine stete Folge gibt, dessen er sich für 
fähig hält.“ „Shakespegare ist für aufkeimende Talente gefähr— 
lich zu lesen; er nötigt sie, ihn zu reproduzieren, und sie bilden 
sich ein, sich selbst zu reproduziexen.“ 
Das Große aber der Geschichte der Phantasietätigkeit in 
der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ist, daß diese Bändi— 
gung, diese Vergesetzlichung des Naturalismus wenigstens auf 
dem Gebiete der Musik und der Dichtung im höchsten Maße 
gelang. Inwieweit in der Musik für die neuen Ausdrucks— 
mittel feste und doch zugleich elastische Formen gefunden wurden, 
innerhalb deren sich selbst der Genius Beethobens im über—
	        
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