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Einleitung.
Gröber und leichter faßbar ist dagegen die Abwandlung
der politischen Grundmaximen.
Natürlich entsprach dem verschwommenen, rein geistig—
gesellschaftlichen Demokratismus des 18. Jahrhunderts ein
zrundsätzlicher Kosmopolitismus: ja eben in ihm hat er sich
am sichtbarsten ausgewirkt. War die älteste Art der Nächsten⸗
liebe, jener früher gleichsam patriarchalischen Auswirkungsform
des Demokratismus, an die Kreise des Geschlechtes und der
Familie bis zu dem Grade gebunden gewesen, daß eben die
Beschlechtsgenossen die „Nachbarn“ waren; hatte dann die
mittelalterliche Kirche die Nächstenliebe als eine Form der
Askese und der zumeist äußerlichen Charitas gepredigt, die
man in den Schenkungen pro salute animae als vor allem
dem eigenen Ich zugute kommend ansah: so gründete sich der
praktische Kosmopolitismus des 18. Jahrhunderts auf die
Humanität: auf den Gedanken der innerlichen Gleichheit und
darum Einheit eines zu höchsten Zielen bestimmten Menschen—
geschlechts. In dieser Begründung vor allem ist er enthusiastisch
gehegt und gefeiert worden:
Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder — überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Man höre Schillers Verse in der triumphierenden Ekstase des
bierten Satzes von Beethovens neunter Symphonie: und man
vird sich lebendig umrauscht fühlen von dem Flügelschlage
dieses lebensfrohesten aller Kosmopolitismen.
Und es war ein Kosmopolitismus doch schließlich nicht
ohne starken realen Hintergrund. In welch umfangreicher
Stärke hatte doch schon ständiger geistiger Austausch zwischen
den großen europäischen Nationen des Westens und der Mitte
zum erstenmal ein immer internationaler werdendes Geistesleben
gefördert! „Wir klagen über den engen Kreis der Ideen,
die im Mittelalter Nation von Nation trennten; bei uns sind
gottlob alle Nationalcharaktere ausgelöscht. Wir lieben uns
alle, oder vielmehr keiner bedarf's, den anderen zu lieben; wir