Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
einige der auffallendsten Unterschiede zu erwähnen: zur Fest— 
stellung der Bedeutung des subjektivistischen Zeitalters in 
Ablaufe der nationalen Geschichte, wie zum besseren Ver— 
ständnis seiner später mehr im einzelnen zu schildernden Eigen— 
schaften. 
Zu unterscheiden ist bei einem solchen Vorhaben vor allem 
zwischen primären Gegensätzen, in denen sich der Gesamt— 
verlauf der beiden Zeitalter des Individualismus und Sub— 
jektivismus jederzeit und grundsätzlich vollzieht, und sekundären 
Kontrasten, deren beide Glieder nur die letzten Zeiten des 
Individualismus und die Anfänge des Subjektivismus um— 
fassen. Solche sekundäre Kontraste sind überaus zahlreich, wie 
auch an sich noch immer tiefgreifend genug; und ihr reicher 
Bestand wird den nicht wundernehmen, der sich erinnert, daß 
der Übergang' von einem Zeitalter zum anderen unter allen 
Umständen nach dem psychologischen Prinzipe der Kontrast⸗ 
verstärkung verläuft. Denn alle geschichtliche Entwicklung 
schon, vor allem aber jene spezifisch starke, die in Übergangs— 
zeiten wahrgenommen werden kann, beruht mit auf dem Um— 
schlagen von Gefühls- und Willensrichtungen in ihre Gegen— 
sätze, der Lust in Unlust, des Begehrens in Widerstreben usw. 
Ja es ließe sich eine, wenn auch hier nicht vertretene und an 
sich gewiß einseitige Geschichtsauffassung denken, der mensch— 
liche Entwicklung als nichts denn eine Resultante aus den 
Schwankungen erscheinen könnte, die fortwährend zwischen 
jenen zwei entgegengesetzten Phasen vermitteln. 
Zu diesen sekundären Gegensätzen gehört nun vor allem 
der zwischen dem Rationalismus des endenden individuaglistischen 
und dem Mystizismus des beginnenden subjektivistischen Zeit⸗ 
alters; denn wenn auch nicht zu leugnen ist, daß das indivi— 
dualistische Zeitalter sich von vornherein durch eine Bevorzugung, 
ja fast einen Kult des Intellekts auszeichnete, so bleibt doch 
bestehen, daß seine erste Periode alles andere als rein ratio— 
nalistisch gewesen ist: es war die Zeit der enthusiastischen 
Verstandeskultur des 15. und 16. Jahrhunderts, der halb 
mystischen Frömmigkeit des ursprünglichen Luthertums, der
	        
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