Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Einleitung. 
wie ist es schon von unzähligen solcher Handlungsmöglichkeiten 
durch zahlreiche Generationen der Vergangenheit herab innerlich 
erzogen worden zu einer Freiheit, die eben eine Freiheit der 
Erziehung ist und darum innerliche Gebundenheit an ein persön⸗ 
liches wie ein soziales Gewissen voraussetzt. 
Und so erhält man für jüngste und älteste Zeiten einen 
merkwürdigen Entwicklungsgang der Freiheit und damit der 
alle Willenstätigkeit regelnden Elemente: die Urzeit kennt bloß 
eine Freiheit der Willkür für solche Individuen, die sich den 
starken äußerlichen, wenn auch unbewußten Zwangseinrichtungen 
jener Kultur entziehen; innerhalb dieser aber erscheint der 
Wille unbewußt gebunden, da die Zahl der Ursachen und 
Ursachenkombinationen, die ihn bestimmt, gering ist; — das 
Zeitalter des Subjektivismus dagegen und verhältnismäßig 
auch schon das des Individualismus kennt nur eine bewußte 
Gebundenheit, dagegen eine äußerlich gewährleistete Freiheit 
des Handelns, da die Zahl der Ursachen, die den Willen be— 
stimmen, gewaltig gestiegen ist. In dem einen Zeitalter herrscht 
Willkür neben engster äußerlicher Gebundenheit, in dem anderen 
ein Wille, vor dem die Willkür schweigt, neben weitester äußer⸗ 
licher Freiheit des Handelns: die Freiheit des Handelns ist in 
niederer Kultur real und unbedingt, in hoher Kultur dagegen 
formal und bedingt: Abwesenheit von störendem Zwang in der 
Ausübung innerlicher Erzogenheit. 
Dabei versteht sich, daß durch die Feststellung dieses 
Gegensatzes der Beantwortung der philosophisch-⸗metaphysischen 
Frage nach Freiheit und Notwendigkeit nicht vorgegriffen wird. 
Denn da im Bereiche historischer Forschung und Erzählung 
niemals alle Determinanten eines Willensaktes aufgesucht und 
geschildert werden können, so bleibt in diesem Bereiche, gleich⸗ 
viel welches die Ergebnisse für die einzelnen Kulturzeitalter 
sein mögen, noch immer die Alternative der philosophischen 
Lösung möglich: daß nämlich die Determinanten entweder 
noch ein unauflösliches persönliches Element bergen, oder aber, 
daß sie sämtlich einfachste außerpersönliche Ursachen sind. 
Das eine aber ergibt sich ohne weiteres aus der so ver—
	        
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