Das subjektivistische Zeitalter i. seinem Verhältnis z. individualistischen. 73
die Kultur der Urzeit diesen Prozeß unbewußt: und dem—
gemäß ist der Symbolismus für die Urzeit ein natürliches
Denkmittel, während er für den Subiektivismus eine Form
bewußter Mystik darstellt.
Zwischen diesen beiden Welten steht nun die Form des
mittelalterlichen Denkens. Dieses Denken vollzog noch nicht
die subjektive Inkorporation der Welt in die menschliche Seele:
das subjektiv Beobachtete galt ihm unbedingt noch als das
auch objektiv Seiende. Aber es stand auch nicht mehr mit
der unbewußten Naivität der Urzeit in der Welt; doch hatte
es aus deren Identifikation von menschlichem und weltlichem
Wesen noch die Vorstellung beibehalten, daß menschliche Zweck⸗
setzung von den Dingen nicht zu trennen sei; und so ver—
harrte sein Denken und seine Wissenschaft noch unter streng
anthropozentrisch⸗teleologischem Zeichen.
Wie klar aber läßt sich gerade auf diesem Gebiete auch
wiederum die Stellung des individualistischen Zeitalters zu
Mittelalter und Subjektivismus darlegen: sehr natürlich,
handelt es sich doch um das vom 16. bis zum 18. Jahr—
hundert besonders gepflegte Gebiet des Verstandes. Da war
nun die Philosophie dieser Zeit gewiß noch nicht hinab—
getaucht in die Tiefen des menschlichen Seelenlebens, die
durch die Kultur und Psychologie des Subjektivismus er—⸗
schlossen worden sind, so sehr gelegentlich schon einmal die
Frage aufgeworfen wird, ob denn das bloße Vermögen leben—
diger Tätigkeit nicht am Ende doch den Urquell psychischen
Seins bilde. Gleichwohl galt das Individuum doch schon
als eine von der Natur in jedem Betrachte geschiedene Einheit,
und der Versuch, ihm die Welt einzuverleiben, wurde daher
auch schon, zwar noch nicht mit den Mitteln des Kantschen
Kritizismus, doch aber durch die Statuierung einer höheren
intellektuellen Auswirkungsfähigkeit des Individuums in der
Vernunft gemacht. Diese Vernunft galt nämlich als das
Mittel, die Welt zu beherrschen, indem man diese rationalisierte,
in Begriffe auflöste. So kam es zu der Lehre von den der
menschlichen Seele eingeborenen Ideen, von deren Summe aus